1.) Zu Kanada: Sie haben völlig Recht: Kanada und EU suchen gerade den Schulterschluss.....einer von mehreren Gründe, warum wir weiterziehen. Abgesehen davon, dass "minus mal minus" auch in diesem Fall nicht unbedingt "plus" ergeben: Die USA würden dies aus geostrategischen- und Rohstoff-Gründen niemals zulassen.
2.) Auch in Teilen Ihrer Argumentation haben Sie durchaus Recht: Es wird mit absoluter Sicherheit auf Seiten der Russen komplett inakzeptable Vorfälle gegeben haben, die nicht zu rechtfertigen und absolut zu verurteilen sind. Das Problem: Jedem einzelnen dieser Vorfälle könnten Sie ein exakt gleiches Beispiel der Gegenseite gegenüberstellen (siehe die unfassbaren Verbrechen an der Zivilbevölkerung während der Kursk-Offensive). Wie immer gilt auch hier: Ist das Kind erstmal in den Brunnen gefallen, machen alle Seiten sich die Finger dreckig. Weshalb
3.) dieses "Du hast dies getan" - "Ja, aber Du hast vorher dies getan" Spiel, in dem sich beide Seiten gegenseitig ihre Gräueltaten aufrechnen, völlig sinnlos ist.
Fakt ist: Seit abertausenden von Jahren gilt: "Mächte" haben regionale und geostrategische, teils weit in die Geschichte zurück reichende Sicherheitsinteressen (siehe z.B. Monroe-Doktrin aus 1823). Der Westen (= Transatlantiker, US Neocons) hat die russischen Sicherheitsinteressen - die Schwäche Russlands nach dem Mauerfall gezielt ausnutzend - seit 1990 bewusst negiert. So wäre es kein Problem gewesen, den Osteuropäern zu sagen: "EU ja, NATO nein - weil wir nur so langfristige Stabilität in Europa zum gemeinsamen Wohle aller erreichen können". Genau so (EU ja, NATO nein) hätte man von Anfang an mit der Ukraine verfahren können. Statt dessen hat der Westen das genaue Gegenteil getan, hat Russland via EU und NATO eingekesselt und dabei keine Gelegenheit ausgelassen, die Gegenseite vor den Kopf zu stoßen. Das exakt gleiche Spiel wie zuvor Ukraine spielt man derzeit in Georgien und, neu, im Südkaukasus/Aserbaidschan - natürlich alles "Säulen der westlichen Kultur" wo es natürlich dann auch um die Verteidigung "Unserer Demokratie" geht.
Dinge, die ich für mich selbst in Anspruch nehme, muss ich in gleichem Maße auch anderen zugestehen. Das gilt, ich wiederhole mich, auch und namentlich für Sicherheitsinteressen unter Großmächten. Dieser einfache Grundsatz wurde seit 1990 gegenüber Russland bewusst missachtet. Der Grund: Das "amerikanische System" ist strukturell (geradezu "konstruktionsbedingt") nicht friedensfähig - was unter Bush jun. und jetzt Trump dramatisch offensichtlich wird, analog aber für alle Administrationen seit WW II gilt. Dies ist der eigentliche (!) gemeinsame Nenner hinter Libyen, Irak, Syrien, jetzt Iran...und zuvor Ukraine. Allein: Die Welt hat sich geändert. "Der Westen" und die USA haben ihre dominante Rolle verloren, weswegen sie im Iran gerade massiv gegen die Pumpe laufen, in der Ukraine scheitern werden, genau so mit hoher Wahrscheinlichkeit in Georgien Südkaukasus, mit absoluter Sicherheit in Taiwan. Sie dürfen diese Sicht auf's "big picture" liebend gerne als "Russen-Bot" diffamieren. Allerdings bringt Sie das in der Analyse der tieferen Ursachen nicht weiter. Diese jedoch sind zwingende Voraussetzung für das Verständnis der aktuellen Situation - und damit einer dauerhaften Konfliktlösung.
Aber: Sie bewegen sich damit in bester Gesellschaft des europäischen Mainstreams - formuliert von Leuten wie Starmer, Macron, Merz, vdL, Kajas, Rutte und ihren Zuträgern - die ausserhalb Europas gemessen an konventionellen Maßstäben als die mit Abstand schwächste, in ihren Ländern (durch Umfragewerte belegt) unbeliebteste Führungsgeneration gilt, die Europa je hatte. Ihre Leidenschaft ehrt Sie zwar. Aber wenn die gleichen Gestalten uns ein Narrativ verkaufen wollen, die zuvor den Traum von Europa in einen überregulierten, dystopisch-totalitären Albtraum (und ein ehemals starkes Deutschland in ein Shithole) verwandelt haben, sollte Sie allein das schon skeptisch machen. Ich für meinen Teil bin - als ehem. Reserveoffizier, erfolgreicher Mittelständler mit abgeschlossenem Studium in u.a. Internationaler Politik (was, zugegeben, nix heißen muss) - mit meinen Lagebeurteilungen bisher im Leben sehr erfolgreich gefahren und kann mit dem erwartbaren Vorwurf, auf einmal Russen-Bot zu sein (alternativ: Nazi, Faschist, Boomer, Globalisierungsverlierer, Euro-Hasser...), hervorragend leben. Sorry für die zu lange Antwort.....