Manchmal gehe ich morgens eine kleine Runde durch unsere Stadt. Ich genieße die Einsamkeit der Straßen, die ersten Sonnenstrahlen auf dem Asphalt und den Gesang der Vögel, der um diese Zeit noch die ganze Welt zu erfüllen scheint.
Dabei komme ich immer an einer kleinen Bank vorbei.
Kennt ihr solche Bänke? Fast jedes Dorf besitzt eine. Eine Bank unter einem Baum, am Flussufer oder am Rand einer Wiese. Und meist geht man jahrelang an ihr vorbei, ohne sie zu bemerken.
Meist ist die Bank noch leer, und doch scheint sie voller Geschichten zu sein.
Man kann sich vorstellen, wie dort über die Jahrzehnte Menschen gesessen haben. Vielleicht waren sie müde. Vielleicht verliebt. Vielleicht haben sie auf jemanden gewartet oder einfach nur für einen Augenblick die Welt betrachtet.
Und doch blickten sie alle auf dieselben Felder, denselben Himmel und dieselben Wolken.
Darin liegt für mich etwas Tröstliches. Dass sich die Welt verändert, jeden Tag ein Stück, und trotzdem manches gleich bleibt. Dass Menschen kommen und gehen, das Leben immer weiterfließt und die Bank dennoch weiter still unter ihrem Baum steht und auf die nächsten Besucher wartet.
Vielleicht ist das der Grund, warum es mich immer wieder zu solchen Orten zieht.