Follow the science?
Gestern habe ich beschrieben, wie die GWUP mit strittigen Sachfragen umgeht: keine Vereinsmeinung zu offenen Fragen, stattdessen Bedingungen der Debatte – Wissenschaftsorientierung, respektvoller Streit in der Sache, keine ideologische Vereinnahmung.
Das ist keine Bescheidenheitsgeste. Es gibt dafür einen erkenntnistheoretischen Grund.
Konrad Paul Liessmann hat ihn in seiner Festrede zur Preisverleihung an Alexander Bogner an der Österreichischen Akademie der Wissenschaften auf den Punkt gebracht; jetzt erschienen in der FAZ (12.06.2026).
Sein Ausgangspunkt: „Follow the science" setzt voraus, dass es die Wissenschaft gibt. Gibt es nicht. Wissenschaft ist nicht eine Institution, die Antworten verwaltet – sie ist ein Prozess, der durch Kontroversen lebt. Dissens ist kein Systemfehler. Er ist das Betriebsprinzip.
Wer das ernst nimmt, kann von einer skeptischen Vereinigung keine inhaltlichen Endurteile erwarten. Die Vereinigung kann die Qualität der Argumente bewerten, nicht deren Sieger per Beschluss festlegen.