„Fragt eure Eltern, fragt eure Schwester, fragt euren Lehrer. Und googelt erst danach.“
So antwortete Mateusz Fałkowski, stellvertretender Leiter des Pilecki-Instituts, bei den 7. Göttingen-Thorner Gesprächen auf die Frage, was das Wichtigste im Umgang mit Informationen sei.
Im Mittelpunkt der diesjährigen Ausgabe standen Desinformation und Propaganda sowie die Frage, inwiefern sie die deutsch-polnischen Beziehungen und die Zivilgesellschaft gefährden.
Mateusz Fałkowski hob die Bedeutung realer Beziehungen und Kontakte hervor, darunter auch sogenannter „schwacher Beziehungen“, die über unsere sozialen und politischen Blasen hinausreichen. Der Begriff wurde vom amerikanischen Soziologen Mark Granovetter geprägt und bezeichnet lose Kontakte außerhalb des engsten sozialen Umfelds, die häufig neue Perspektiven und Informationen vermitteln und damit Brücken zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Milieus schlagen.
Mateusz Fałkowski wurde auch gefragt, wie das Pilecki-Institut den vereinfachenden Darstellungen des Zweiten Weltkriegs entgegenwirkt, die über soziale Medien die junge Generation beeinflussen.
„Ich sage gleich zu Beginn vielleicht etwas Provokatives: Am besten wäre es, das Internet zu verbieten. Das Internet mit all seinen Algorithmen in den sozialen Medien usw. zu verbieten.
Aber das ist unrealistisch. Was kann also politische und historische Bildung tun? Die grundlegenden, wichtigsten Fakten vermitteln. Das ist ihre Aufgabe. Einerseits jungen Menschen Dokumente zeigen, die diese Fakten veranschaulichen. Andererseits Unterstützung für die realen Menschen aufbauen, die diese Fakten weiterhin vermitteln werden – also für die Lehrer. Wir machen Infrastruktur für diese Leute.“
Es sei wichtig, Erinnerungskulturen nicht allein auf Erinnerung, sondern auch auf konkretes Wissen und historische Fakten zu gründen, betonte Fałkowski.
Neben Mateusz Fałkowski sprachen die Journalistin und ehemalige Leiterin des Projekts dekoder, Tamina Kutscher, der Koordinator der Bundesregierung für die deutsch-polnischen Beziehungen, Knut Abraham, der Philosoph und Ideenhistoriker Prof. Marek Cichocki, der Publizist und Schriftsteller Marko Martin, der stellvertretende Botschafter der Republik Polen in Deutschland, Jakub Wawrzyniak, sowie die Journalisten Philipp Fritz und Adam Górczewski.
Am Samstag fand zudem ein Gespräch mit der Schriftstellerin Ulrike Draesner statt, die über ihren Roman „Sieben Sprünge vom Rand der Welt“ sprach.
„Das erste Göttingen-Thorner Seminar fand im Oktober 2019 statt. Seitdem hat sich die von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und der Polnisch-Deutschen Gesellschaft ergriffene Initiative zu einer festen Plattform für den Dialog und die Zusammenarbeit zwischen den Zivilgesellschaften beider Länder entwickelt. Die Veranstaltung findet abwechselnd in Toruń und Göttingen statt und zieht von Jahr zu Jahr ein breiteres Publikum aus Politik, Wissenschaft, Medien und Kultur an“, schrieb das deutsch-polnische Magazin Dialog.