Krieg (ein Auszug)
Gewidmet den Freiwilligen,
...die im Februar 2022
zu Soldaten wurden,
gezwungenermaßen,
so wie ich,
aus tiefstem Herzen.
...die erste
und schwerste Prüfungen
des Krieges
auf ihren Schultern trugen.
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Kehrt um!
Städte wandelten sich in Wüsten...
Also gingen wir...
Wir gingen,
Um Bestandteil
Einer riesigen Mauer zu werden
Um alle
Mit unseren Körpern zu bedecken
Alle
Die uns lieb sind
Alles
Was heilig ist...
Unser Fleisch, unser Blut...
Ukraine!
Ihr braucht nur einhundert Schritte
Über das Wasser zu gehen
So werdet Ihr
Zur Hoffnung
Für alle
Die zu Hause blieben.
Die Harte Arbeit
Des Soldaten
Es gibt nur ein Wunder
Das Einzige
Woran sie glauben
Wahrhaft
Verzweifelt
Unerschütterlich.
Tag für Tag
Harte Arbeit
Gerade jetzt!
Auf den Knochen
Entstellter
Verstümmelter
Schicksale
Von Leben
Und von Tod
Wird das Wunder
Erschaffen.
Bereits
Ist das Tuch gewebt
Anderen der Talisman
Manchen ein Leichentuch.
Eingewebte rote Fäden
Millionen
Dort sind wir
Alle
Jeder
Von uns
einzeln.
Wir sind Geschichte
Wir sind die Zukunft
Wir sind der Sieg
Wir sind die Unendlichkeit.
Dort vorne
Vor uns
Wo der Wind die Fahnen wäscht
Unsere Gedanken
Unsere Herzen!
Angst wird dort
Und Verzweiflung
Zu Wagemut
Angst
Zur Heldentat!
Unser vergossenes Blut
Wird die Blumen sprießen lassen
In den Steppen
In den Wäldern
Auf Ruinen
Auf verbrannten Flächen
Auf schwarzer Häuser Asche
Auf unseren Festungsstädten.
Durchgetretene Füße
In staubigen Stiefeln
Schritt für Schritt gehen wir
Die sich drehenden Räder der Erde.
So vergeht der Tag
So folgt die Nacht
Harte Tage
Harte Nächte
So Viele.
Wir sind es leid zu zählen.
Und dennoch
Trotz der Hinderung
Die müde Erde
Bewegt sich weiter
Unter den abgenutzten Sohlen
Unserer Soldatenstiefel.
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Sersch Schewtschenko, 2023
(fei übertragen von mir im Apr 2026)
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Spenden an das Soldatenkomitee,
in dem Sersch Schewtschenko mitarbeitet
bitte via PayPal:
ronin197474@gmail.com
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Serschs und meine Wege haben sich gekreuzt wegen unser beider Begeisterung für die konstruktive Freiheitsbewegung der Bergarbeiter des Donbas in den Achtziger und den frühen Neunziger Jahren.
Es waren die Kumpel des Donbas, die durch ihr mutig kämpferisches Beispiel und mit großartig anarchischem Organisationsgeschick eine landesweit untergründig zivilgesellschaftliche Bewegung mitinitiierten, soziale Standards einforderten und durchsetzten, aufbauend auf den spezifisch basisdemokratischen Arbeitskämpfen im Donbas seit den 1890er Jahren, so der KPdSU einen humanistischen Richtungswechsel aufzwangen und gleichzeitig den Kreml in eine systemsprengende Glaubwürdigkeitskrise stürzten.
Die Bergarbeiter des Donbas galten vielen als das Herz einer wahren Union wahrer selbstverwalteter Räte (Sowjets) gerade auch durch ihre sichtbar gelebte direkte Demokratie mit imperativem Mandat auf dem Maidan in Donezk. Durch Formen der Massenmilitanz, dann wieder unscheinbar klandestin überwanden sie nicht nur die Sowjetunion und damit den Kalten Krieg, sondern sie führten den Auflösungsprozess des Moskauer Imperiums in demokratische, soziale und geordnete Bahnen.
Ohne die sozialen und politischen Bergarbeiterstreiks wäre der Untergang der sogenannten Sowjetunion vermutlich viel blutiger und schrecklicher verlaufen. Uns wäre ohne die Donbasarbeiter in der Zeit von 1988 bis 2014 wohl kaum eine so angenehme Friedensperiode beschieden worden.
Der Donbas gehört allein deshalb, so wie die gesamte Ukraine, in die EU und in die NATO! Wir haben den Menschen im Donbas einiges zu verdanken.
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Ob Sersch Theologie oder Geschichte studierte, als Waldorflehrer arbeitete oder Kampfkunst lehrte, er hat, glaube ich, sich parallel immer neugierig an das Studium interessanter Texte gemacht. Gab es eine Zeit, in der er nicht nebenbei persönliche, oft kämpferische politische Texte verfasst hat mit einem Sinn für das Praktische und Aufbauende? Wurzelnd in einem feinen liebevollen Gespür? Texte, denen man anmerkt, das jedes Wort nicht nur lyrisch-poetisch agitatorisch innerlich erlebt ist, sondern auch ganz praktisch und im Alltag eine äußerlich durchlebte Entsprechung hat.
Sersch hat bereits zu Sowjetzeiten die Ukrainische Fahne in Donezk gehisst, und er hat 2014 am Aufbau einer bewaffneten Einheit mitgewirkt, als absehbar wurde, dass die vom Kreml initiiert, bewaffnet und geführten "Separatisten" in Donezk die Machtfrage stellen würden.
Nach seiner Flucht nach Kyjiw war er u.a. in der Ausbildung von Soldaten tätig. Als Freiwilliger der Territorialstreitkräfte beteiligte sich Sersch an der erfolgreichen Verteidigung Kyjiws und an den Offensiven zur Befreiung der Kyjiwsker Oblast. Sersch kämpfte in Hostomel, Butscha und Irpin. 2023 wurde Sersch verwundet, ist aber bis heute weiter im Soldatenkomitee tätig, das u.a. die Kämpfer*innen an der Front versorgt.
Über die Tage des hybriden Krieges und des Einmarsches der FSB-geleiteten "grünen Männchen" 2014 im Donbas hat Sersch ein Theaterstück verfasst. In Anlehnung an das Wappen seiner Heimatstadt und an die vielen üppigen Buschwerke, die in Donezk während des Sommers Augen und Nase erfreuen, nennt Sersch sein Werk "Die Stadt der Rosen."