Ich bin in einer Zeit aufgewachsen, in der vieles nicht selbstverständlich war. Es gab nicht jedes Jahr Urlaub, und täglich Fleisch war auch keine Selbstverständlichkeit.
Trotzdem war ich froh und zufrieden, in Deutschland zu leben.
Nicht weil wir alles hatten, sondern weil ich das Gefühl hatte, dass mir die Zukunft offensteht. Dass ich mein Leben selbst gestalten kann. Dass nicht andere für mich entscheiden, wer ich sein darf und wie ich zu leben habe.
Was heute passiert, ist für mich immer schwerer nachzuvollziehen. Die AfD erhält immer mehr Zulauf, und das erschreckt mich.
Heute ist schon wieder Beatrix von Storch bei
@maischberger zu Gast. Es wirkt, als solle diese Partei zur politischen Normalität werden, als wäre es völlig unproblematisch eine rechtsradikale Partei zu wählen.
Für mich ist das nicht nachvollziehbar. Wer eine solche Partei unterstützt, sollte sich fragen, welche Werte er damit stärkt. Ein Grund zum Schämen.
Ich habe die Sorge, dass vieles von dem, was wir in den vergangenen Jahrzehnten an Gleichberechtigung, Freiheit und gesellschaftlicher Offenheit erreicht haben, wieder infrage gestellt wird. Als wolle die AfD die Gesellschaft in eine Zeit zurückführen, die noch vor der Ära von Adenauer liegt.
Alle Menschen, die nicht in das traditionelle Schema von Ehe, Kindern und festen Rollenbildern passen, müssen Nachteile befürchten.
Alice Weidel wird gern als Beweis für die angebliche Offenheit der Partei präsentiert. Für mich wirkt das eher wie ein Alibi. Das ist meine persönliche Meinung. Ich frage mich, ob diese Offenheit auch dann noch gelten wird, wenn sie politisch nicht mehr nützlich ist.
Diese Sorgen zur aktuellen Entwicklung muss man nicht mit mir teilen, aber ich habe das Recht, sie auszusprechen.