Dieser Post ist mir heute in die Timeline gespült worden und macht mich ehrlich gesagt ziemlich fassungslos.
Ja, sowas gibt es. Content Creator, die Einsamkeit performativ einsetzen, um Sympathie oder Aufmerksamkeit zu bekommen. Das ist real, gerade in Creator-Bubbles. Und ich verstehe die Frustration dahinter ein Stück weit.
Aber dieser Tweet ist trotzdem gefährlich pauschal, weil er echte Probleme kleinredet.
Was von außen wie Heuchelei oder bewusste Selektion aussieht, kann bei vielen Menschen auch Teil von Depression, sozialer Angst, ADHS, exekutiver Dysfunktion oder starker Ablehnungsempfindlichkeit sein.
Das depressive Gehirn hat oft kaum Energie und rationiert diese unbewusst nach Druck, Angst und wahrgenommenem Risiko. Nachrichten bleiben dann nicht unbeantwortet, weil jemand "zu unwichtig" ist, sondern weil selbst einfache soziale Interaktion plötzlich wie eine unüberwindbare Wand wirkt.
Meldet sich dagegen eine Person, zu der man aufsieht oder bei der man Angst hat, einen schlechten Eindruck zu hinterlassen, kann genau diese Angst kurzfristig einen Impuls erzeugen. Nicht weil diese Person "mehr wert" ist, sondern weil das Nervensystem Alarm schlägt.
Von außen sieht das aus wie Kalkül. Von innen kann es Panik unter Ressourcenmangel sein.
Natürlich darf man kritisieren, wenn Menschen andere ausnutzen oder Einsamkeit als Masche benutzen. Aber pauschal alle einsamen Menschen als Heuchler oder Aufmerksamkeitssucher abzustempeln, ist billig und trifft am Ende auch die, die wirklich kämpfen.
Bevor wir Menschen die sich einsam fühlen als Heuchler abstempeln, sollten wir uns fragen: "Was wenn das kein Performance ist, sondern ein Symptom?" Aber pauschalisieren geht ja viel einfacher. 🤡
Ich wünschte die Vtuber-Bubble würde nicht immer soviel Scheiße labern..
"Oh, ich fühl mich so einsam" - Aber dann wird jeder Kontakt von Leuten ignoriert, die einem keine große Reichweite geben würden. ;)
Einfach nur Geheule für Sympathie & Aufmerksamkeit.