Friede
Wie sie so bang und freudlos hasten
Durch Großstadtstraßen immerzu!
Als trügen sie geheime Lasten
Und wüßten nichts von Glück und Ruh.
Aus ihren Augen fleht ein Fragen,
Ein Sehnen, das sich selbst nicht kennt,
Das doch bei all dem wilden Jagen
In ihrer Seele Tiefen brennt.
Im Alltagslärm, im lauten Treiben,
Erstirbt das Seufzen ihrer Qual.
Wer machte, daß sie stehen bleiben —
Und Sabbat hielten nur einmal!
Und sähen Ihn, der voll Erbarmen
Ausrief: Mich jammert ihrer Not!
Der auch dem Ärmsten all der Armen
Den holden Friedensgruß entbot.
Und sprach: Ihr sollt getröstet werden,
Kommt alle her und folget mir!
Dann würde Friede wohl auf Erden -
Und Friede, Seele, würd auch dir!
Marie Sauer