Ein paar Beobachtungen, seitdem ich wieder in Wien bin, permanent unterwegs, im Gespräch mit Menschen aus den verschiedensten Welten.
Der gesellschaftliche Zustand des deutschsprachigen Raumes ist eine blanke Katastrophe, quer durch alle politischen Lager. Die jungen Linken haben den Kontakt zur Wirklichkeit verloren und wollen aus der Fantasiewelt auch nicht mehr heraus. Die jungen Konservativen sind gottlos, ohne Ehrgefühl, ohne einen Funken Heroismus in den Knochen und geistig orientierungslos. Die Rechtspopulisten hätten zumindest eine Vorstellung vom Staat und Gesellschaft, aber sie haben keine Zugkraft, keine intellektuelle Ausstrahlung und sind mindestens so opportunistisch wie der Rest.
Während die Eliten in ihrer Parallelwelt sitzen und sich darin gemütlich eingerichtet haben, kochen die Durchschnittsverdiener vor Wut. Ich habe noch nie eine solche Wut gesehen, bei Männern, die LKW fahren, auf Baustellen arbeiten, in Werkstätten stehen. Stille, geballte, gefährliche Wut.
Das Schicksal des deutschsprachigen Raumes wird sich zwischen zwei Wegen entscheiden; dem langsamen Verarmungspfad Argentiniens mit globaler Bedeutungslosigkeit als Endstation oder einer Renaissance radikalisierter Männer. Es gäbe noch eine dritte Option: dass sich früher oder später eine weise Führung herausbildet, die den reißenden Strom in gelenkte Bahnen zwingt. Aber daran glaube ich nicht mehr. So viel Glück muss die Geschichte einem erst geben. Ich tippe auf die zweite Option. Unter dem Vulkan brodelt es. Es ist nur noch eine Frage der Zeit.