Ich bin zwar auch ganz klar dagegen, aber andererseits: Nehmen wir mal theoretisch an, es käme im Betrieb oder im Büro oder in der Behörde heraus, wer alles auf der „falschen” Seite steht. Und plötzlich ist das die große Mehrheit. Was dann?
Warum ist das Demonstrationsrecht so ein wichtiger Bestandteil der Meinungsfreiheit? Weil es nicht reicht, seine Meinung sagen zu dürfen. Man muss auch das Recht haben, zu wissen, wer sie teilt. Und zu wissen, dass diejenigen, die sie teilen, auch wissen, dass man sie selbst teilt. Und zu wissen, dass die anderen wissen, dass man das weiß. Es gibt diese Logik-Rätsel, die auf solchen Meta-Wissen-Hierarchien beruhen. Die sind nicht nur Gehirnakrobatik, sondern enthalten durchaus lebensrelevante Weisheiten.
Im Grunde wäre so eine „Klarnamenpflicht” für die woken Moralwächter ganz schön riskant. Wenn es ihnen damit tatsächlich gelingen würde, die Namen aller bösen Hasser und Hetzer öffentlich zu machen, könnte das ganz schnell kippen, denn nun wissen diese auch gegenseitig, wer alles zu ihrer Mannschaft gehört. Das geht dann nach hinten los, so ähnlich, aber im richtig großen Maßstab wie diese Inszenierung im Thalia-Theater.