S: Hallo, hier die Spiegelredaktion, was kann ich für Sie tun?
K: Hallo, hier der Kreml. Sie dürfen am 9. Mai nicht zur Siegesparade kommen.
S: Aber wir haben doch eine Akkreditierung???
K: Hatten Sie. Auflegegeräusch.
S: Hallo? Kreml? Ist da noch jemand?
So oder so ähnlich muss es gewesen sein. Der Kreml hat dem SPIEGEL telefonisch (!) die längst zugesagte Akkreditierung für den 9. Mai wieder entzogen.
Ebenso ARD, ZDF, Sky, AFP, dem italienischen Sender Rai und dem japanischen NHK.
Begründung einer Kreml-Mitarbeiterin: „Das Format für die Berichterstattung über die Parade wurde aufgrund der Situation geändert.”
Welche Situation, blieb offen. Andere bekamen knapp zu hören: „Nur russische Medien werden zugelassen.”
Es ist das erste Mal in der Geschichte der Siegesparade, dass ausländische Sender erst eine Akkreditierung bekommen – und dann wieder ausgeladen werden. Telefonisch. Muss halt schnell gehen.
Und ehrlich: Verstehen kann man es ja. Wer will schon, dass eine ARD-Kamera die leeren Tribünen einfängt. Dass ein Spiegel -Reporter fragt, wo eigentlich der T-90 geblieben ist. Dass die AFP eine Weitwinkelaufnahme macht, auf der man die Lücken zählen kann zwischen den Soldaten, die früher Söhne, Männer, Brüder gewesen wären.
Nur russische Kameras. Nur russische Schnitte. Nur russische Wahrheit.
Der Kaiser hat keine Kleider mehr. Aber wenigstens fotografiert das niemand.