Warum Diktaturen sich als demokratisch bezeichnen, oder von "unserer Demokratie" sprechen.
Aus der Geschichte lässt sich ein wiederkehrendes Muster erkennen:
Je autoritärer ein System, desto häufiger beruft es sich auf "Demokratie".
Josef Stalin sprach von "Volksdemokratie", Mao Zedong von der "Demokratie des Proletariats", Pol Pot von der "wahren Demokratie des Volkes".
Gemeint war jedes Mal dasselbe: Ausschaltung der Opposition, ideologische Homogenisierung, totale Kontrolle.
Dabei handelt es sich um Doppeldenk/Doppelsprech, in Kombination mit semantischer Umkehr:
Begriffe mit positiver moralischer Aufladung werden so lange umdefiniert, bis sie ihr Gegenteil bedeuten.
Gewalt heißt dann "Schutz", Zensur "Schutz", Repressalien "Erhaltung der demokratischen Grundordnung"
Ein zentrales Instrument dabei ist die moralische Polarisierung, das heißt die Welt wird in "gut" und "böse" geteilt, wobei "gut" deckungsgleich mit der eigenen Ideologie wird.
Abweichung gilt dann, als "undemokratisch"
Besonders deutlich zeigte sich das bei Mao im "Kampf gegen Rechts":
Ursprünglich als ideologische "Selbstreinigung" verkauft, entwickelte sich daraus eine massive Säuberungskampagne, bei der Millionen Menschen sozial vernichtet, in Lager gesteckt oder getötet wurden, wegen falscher Gedanken.
Psychologisch spricht man hier von Gesinnungsstrafrecht und präventiver Feindkonstruktion, das bedeutet, der Gegner wird nicht bekämpft, weil er potenziell schaden könnte.
Genau dieses Muster erleben wir heute in noch abgeschwächter, aber strukturell ähnlicher Form.
Wenn Regierungen von "unserer Demokratie" oder "unser Verständnis von Demokratie" sprechen, geht es nicht um universelle Regeln, sondern um selektive Legitimität. Sie meine es genauso wie sie es sagen, nicht "Demokratie", sondern was ihre Ideologie als Demokratie einordnet.
Demokratie gilt dann nur noch für die, die sich im ideologischen Korridor bewegen.
Wer ausschert, wird delegitimiert, als "Feind der Demokratie", "gefährlich", "nicht mehr diskursfähig", "rechts" oder "rechtsextrem".
Aus soziologischer sicht, ist das exkludierende Moralpolitik, das heißt der Diskurs wird nicht durch Argumente reguliert, sondern durch moralische Zutrittsbedingungen.
Psychologisch führt das zu Konformitätsdruck, Selbstzensur umd kollektiver Realitätsverengung.
Historisch ist genau das der Nährboden, auf dem die größten Verbrechen des 20. Jahrhunderts möglich wurden.
Stalin wird mit über 20 Millionen Toten in Verbindung gebracht, Mao je nach Schätzung mit 45–70 Millionen, Pol Pot mit rund 2 Millionen, das alles legitimiert im Namen einer angeblich höheren, "wahren" Demokratie.