Was ich an vielen Replies bemerke: Nicht wenige verstehen den nicht. Ob völlig absichtlich oder aus dem Umstand heraus, dass sie nicht aufmerksam lesen, weiß ich nicht.
Daher eine kurze Erklärung.
Ja, egal kann auch gefährlich sein. Das steht sogar mit im Originaltext, denn egal funktionierte nur unter der Voraussetzung, das jene, die uns egal waren, sich auch benahmen. Und egal wurde zum Teil leider auch da angewandt, wo es uns nicht hätte egal sein sollen. Als sie damit begonnen haben, jeden Furz zur Besonderheit hochzustilisieren, die gefälligst zu huldigen und zu lobpreisen war. Als sie damit begonnen haben, dass sie nicht mehr egal, sondern gefälligst besonders und besser zu sein haben, als alle Anderen. DAS hätte uns nicht mehr egal sein dürfen, war es aber leider.
Dennoch: egal war insgesamt besser. Egal war normaler. Egal hätte halt, wie alles im Leben, Grenzen haben müssen.
Meiner Generation wurde beigebracht, dass schwarze Haut dasselbe ist wie weiße Haut. Dass es egal ist.
Dass es Männer gibt, die halt Männer lieben und Frauen, die Frauen lieben. Und Männer und Frauen, die beides lieben. Und dass das ok ist. Dass es egal ist.
Dass es völlig in Ordnung ist, wenn unser Gegenüber aus Italien, Spanien, Vietnam, der Türkei oder sonstwo her kommt. Dass nur wichtig ist, dass wir respektvoll und halt normal miteinander umgehen. Uns an die Regeln halten. Dass egal ist, wo einer herkommt, benehmen muss man sich halt.
Das waren schöne Zeiten, als solche Dinge noch egal waren. Heute sind sie besonders. Müssen herausgestellt werden. Jede Nuance muss ihr eigenes kleines "Hurra, wir sind speziell, beachtet uns, Ihr Knechte!" haben. Egal reicht nicht mehr. Alles muss besonders sein. Und wehe dem, der die Besonderheit nicht erkennt oder nicht richtig zuordnet, weil er verwirrt ist von drölftausend Besonderheiten, die gefühlt täglich neu hinzukommen und einfach den Überblick verloren hat.
Egal reicht nicht mehr. Und genau deswegen schwingt das Pendel jetzt um. Weil wir, die Generation, die egal auf max geskillt hatte und fein war mit jedem, der sich einfach vernünftig benommen hat und völlig ignoriert hat, woher du kamst und wer du warst oder wen du liebtest, die Schnauze gestrichen voll hat.
Egal war gut. Denn bei egal zählte der Mensch und nicht seine Sexualität, Herkunft, Hautfarbe, Religion oder Lieblingsspeise.
Egal war gut. Lasst uns zu egal zurückkehren.