Ich bin ja ein großer Bewunderer von Darth Vader. Nicht wegen der dunklen Seite oder dem asthmatischen Atmen, obwohl das im deutschen Winter durchaus als modisches Statement durchgehen kann. Nein, ich bewundere seine Ausdauer. Der Mann baut einen Todesstern, die Rebellen jagen ihn hoch. Er baut den nächsten, die Rebellen jagen ihn wieder hoch. Ein normaler Mensch würde nach dem zweiten Mal vielleicht auf Eigentumswohnungen oder ein schönes Café an der Nordsee umsteigen, aber nicht Vader.
Und genau da trifft er sich mit den Fans des
@Sozialismus. Das ist nämlich auch so eine Idee, die man einfach nicht kaputt kriegt, egal wie oft sie gegen die Wand fährt. Es ist die gescheiterte Idee, die niemals stirbt. Man schaut sich das Ganze an und denkt: Mensch, das haben wir doch schon zwei Dutzend Mal probiert: Sowjetunion, China, Kuba, Venezuela. Jedes Mal war das Ergebnis eher so „mittelgut“, wenn man Hunger und Geheimpolizei als „mittel“ bezeichnet.
Aber die Fans, besonders die Millennials, finden das heute wieder richtig schick. In den USA haben 49 Prozent der Millennials eine positive Meinung zum Sozialismus, in Großbritannien sind es zwei von fünf. In Deutschland finden sogar 45 Prozent der Westdeutschen und 82 Prozent der Ostdeutschen, dass Sozialismus eigentlich eine gute Idee sei, die nur schlecht umgesetzt wurde. Das ist so, als würde man sagen: „Der Todesstern ist ein super Wohnkonzept, Darth Vader hatte nur einen schlechten Innenausstatter“.
Kristian Niemietz hat in seinem Buch (
tinyurl.com/3nzfswpb) dazu diese wunderbare Drei-Phasen-Theorie aufgestellt.
Phase 1: Der Flitterwochen-Effekt. Ein neues Land probiert es aus und alle Intellektuellen sind total aus dem Häuschen. Hugo Chávez in Venezuela wurde gefeiert wie ein Rockstar; Sahra Wagenknecht pries ihn als „großen Präsidenten“ und die Linkspartei schwärmte, dass er die ökonomischen Probleme lösen würde.
Phase 2: Die Ausreden-Zeit. Wenn es dann doch schiefgeht, weil die Leute blöderweise hungern oder die Inflation explodiert, dann sind plötzlich „kapitalistische Saboteure“ oder der US-Imperialismus schuld.
Phase 3: Die Verleugnung. Wenn das System komplett implodiert ist, kommt der ultimative Joker: „Das war ja gar kein echter Sozialismus!“. Saskia Esken hat das mal in einem Tweet auf den Punkt gebracht: „Den echten Sozialismus gab’s bisher noch nicht“.
Das ist das Faszinierende: Sozialismus ist immer nur so lange „echter“ Sozialismus, wie er funktioniert, also meistens die ersten zwei Wochen, bevor die Regale leer sind. Sobald es kracht, war es rückwirkend nie Sozialismus gewesen. Wenn man das konsequent weiterdenkt, ist Sozialismus wie ein Tinder-Date, das immer in Streit und Unbehagen endet, woraufhin man sagt: „Das war kein echtes Date, weil wir ja gar nicht beim Dessert angekommen sind“.
Dabei zeigt der Vergleich doch alles: Die DDR gegen die Bundesrepublik, Nordkorea gegen Südkorea, Venezuela gegen Chile. Jedes Mal gewinnt der „menschenverachtende Raubtierkapitalismus“ beim Thema Wohlstand und Freiheit haushoch. Der Kapitalismus hat die extreme Armut weltweit von 90 Prozent auf unter 10 Prozent gesenkt. Aber der Sozialismus hat das bessere Marketing. Er klingt nach „fair“, gemeinwohlorientiert“ und „Brüderlichkeit“. Die Leute assoziieren ihn mit „idealistisch“, und idealistisch klingt ja fast schon wieder sympathisch, so wie ein Welpe, der hoffnungslos versucht, einen Laster zu jagen.
Ich sitze also hier beim Frühstück, schaue mir meinen Toaster an und bin froh, dass er mir gehört und nicht dem „Volk“. Denn wenn mein Toaster dem Volk gehören würde, müsste ich wahrscheinlich erst ein Formular beim Zentralrat der Frühstücksgestaltung einreichen, nur um am Ende festzustellen, dass das Heizelement gerade als Ersatzteil für einen neuen Todesstern beschlagnahmt wurde.
Aber hey, der nächste Todesstern, der wird bestimmt ganz anders.
Ganz bestimmt.