Der Messerangreifer aus Belfast kam über Paris nach Dublin und reiste anschliessend weiter nach Belfast
In den französischen Medien war zu lesen, dass der mutmassliche 30-jährige Täter Hadi A. von Paris über Dublin nach Belfast eingereist sein soll. Gemäss einem Artikel des „Belfast Telegraph“ soll der mutmassliche Täter effektiv zu einem unbekannten Zeitpunkt von Paris nach Dublin geflogen und am 10. Februar 2023 mit dem Bus nach Belfast weitergereist sein, wo er am selben Tag einen Asylantrag gestellt habe. Dieser wurde am 28. September 2023 gutgeheissen und ihm in der Folge eine Aufenthaltsbewilligung für fünf Jahre erteilt.
Dazu muss man wissen, dass Irland zwar EU-Mitglied ist, nicht aber Mitglied des Schengen-Raums. Somit führt das Land bei der Einreise weiterhin auch entsprechende systematische Kontrollen durch. Als sudanesischer Staatsangehöriger hätte er für die Einreise nach Irland neben einem gültigen Reisepass auch ein Visum benötigt. Somit stellte sich mir die interessante Frage, wie er überhaupt nach Irland einreisen konnte.
Die „Welt“ hat hierzu eine mögliche Erklärung: Genau diese Route soll laut „The Telegraph“ von albanischen Menschenschmugglern in den sozialen Medien aktiv in Onlinevideos und Anzeigen als Alternative zu illegalen Kanalüberquerungen beworben werden – mit „garantiertem“ Erfolg und „maximaler Sicherheit“. Der Preis von 7 000 Pfund (8 100 Euro) soll erst nach der Ankunft fällig werden. Die Kontaktaufnahme zu den Schmugglern sei via Links oder WhatsApp möglich.
Bei der Weiterreise von Dublin nach Belfast mit dem Bus musste er zudem keine Grenzkontrollen befürchten. Die britische Government-Website zur Common Travel Area (CTA) schreibt dazu: „An der Landgrenze zwischen Irland und Nordirland werden Sie niemals einer Passkontrolle unterzogen.” Stichwort: Schlupfloch.
Ausserdem, so zitiert die „Welt“ in ihrem Artikel die „Daily Mail“, hätte Hadi A. vom britischen „Fast-Track“-Programm profitiert. Dabei handelt es sich um ein beschleunigtes Verfahren im Asylrecht, das noch unter dem damaligen Premierminister Rishi Sunak eingeführt wurde. Dieses soll eine schnelle Bearbeitung von Anträgen von Personen aus Ländern ermöglichen, die von der britischen Regierung als sicher eingestuft werden.
Es bleibt die spannende Frage, auf die ich in den französischen Medien noch keine Antwort gefunden habe: Wann und auf welchem Weg ist er aus dem Sudan nach Frankreich eingereist? Und hat er dort ein Asylgesuch gestellt, das abgelehnt wurde, sodass er dann sein „Glück” im Vereinigten Königreich versucht hat?
Eines scheint jedenfalls klar: Es handelt sich wahrscheinlich nicht um einen Einzelfall, sondern um eine organisierte Vorgehensweise. Und so erstaunt es mich immer wieder, wie leicht es kriminellen Organisationen fällt, sich neue Tätigkeitsfelder zu erschliessen, ohne dass die nationalen Sicherheitsbehörden davon Notiz nehmen – geschweige denn Alarm schlagen.