Also, ganz ehrlich:
Manchmal fragt man sich schon, wie unfassbar naiv und leichtgläubig manche Leute sind. Es macht einen wütend. Wirklich wütend.
Da sitzt ein Raum voller Multimillionäre. Promis. Popstars. Sänger. Schauspieler. Menschen, die mehr Stylisten als echte Freunde haben. Und ausgerechnet DIE erklären uns die Welt.
Diese Leute nehmen am Alltag der normalen Bevölkerung schlicht nicht teil. Keiner von denen steht morgens am Bahngleis und denkt sich: „Hoffentlich werde ich heute nicht vor die U-Bahn geschubst.“
Keiner fährt Bus und sorgt sich darum, ob er heute von hinten mit dem Messer niedergemeuchelt wird.
Sie leben in bewachten Villen, hinter Mauern, mit Alarmanlagen, Sicherheitspersonal und einem Bio-Gärtner namens Carlos.
Und dann stehen sie auf der Bühne und wollen uns erzählen, wie das echte Leben funktioniert.
Keiner von ihnen muss sich mit Millionen illegaler Einwanderer im Alltag arrangieren. Keiner konkurriert um sozialen Wohnraum. Keiner merkt steigende Kosten so wie der normale Bürger.
Aber sie wissen natürlich ganz genau, wie unsere Realität aussieht. Klar.
Demnächst sollen wir sogar den Zahnarzt aus eigener Tasche zahlen.
Hätte ich die letzten zehn Jahre meine Krankenversicherungsbeiträge in Gold oder Aktien gesteckt, könnte ich heute mehrere Herz-OPs und Chemotherapien privat bezahlen – und für die Zahnreinigung bliebe noch genug übrig.
Und dann kommt noch die moralische Keule:
Das Land, auf dem sie leben – die USA – sei gestohlenes Land. Deshalb könne niemand „illegal“ hier sein.
Ich will gar nicht anfangen, diese Logik zu sezieren. Wirklich nicht. Aber es ist faszinierend, wie man aus einer komfortablen Blase heraus Applaus bekommt, egal wie widersprüchlich das Gesagte ist.
Mit den Worten von Rickey Gervais:
Niemand von euch ist in der Position, der Öffentlichkeit moralische Vorträge zu halten.
Nehmt euren kleinen Preis zur Selbstbeweihräucherung.
Bedankt euch bei eurem Agenten.
Und dann verschwindet von der Bühne. "Fuck off".
Die Ironie wird besonders schön, wenn man sich einzelne Beispiele ansieht.
Jetzt zu Billie Eilish.
Sie lebt in einer Villa im Wert von rund drei Millionen Dollar. Das Grundstück liegt auf historischem Land des Tongva-Stammes – also im Gebiet rund um Los Angeles. Greater Los Angeles.
Als 2023 ein Mann über ihren Zaun kletterte, rief sie selbstverständlich die Polizei und erwirkte eine einstweilige Verfügung gegen ihn.
Moment mal – wenn niemand illegal auf „gestohlenem“ Land sein kann … warum dann das Gericht? Warum die Polizei?
Das gesamte Gebiet um Los Angeles war einst Siedlungsgebiet der Tongva.
Konsequent gedacht müsste man also den Schlüssel abgeben – Übergabe bitte am 15.02., 10:00 Uhr GMT.
Aber das passiert natürlich nicht.
Stars, Sänger, Schauspieler – sie sind da, um zu unterhalten.
Macht Musik. Dreht gute Filme. Bringt Menschen zum Lachen. Bringt sie meinetwegen auch zum Nachdenken.
Aber hört auf so zu tun, als würdet ihr für die harte Realität kämpfen, wenn ihr euch längst von ihr freigekauft habt.
Nicht „Fuck ICE“, sondern FUCK YOUR Doppelmoral.
Weniger Moralpredigt.
Mehr Selbstreflexion.