Am 9. Juni stellte Anthropic das KI-Modell Claude Fable 5 vor, nach Angaben des Unternehmens sein bisher leistungsfähigstes, und schaltete es weltweit frei. 3 Tage später war derselbe Zugang für sämtliche Kunden wieder gesperrt.
Ausgelöst hat das weder die EU noch eine europäische Datenschutzbehörde, sondern die US-Regierung.
Sie stellte am Abend des 12. Juni eine Anordnung aus dem Exportkontrollrecht zu, die jeden Zugriff durch Menschen ohne US-Staatsbürgerschaft untersagt, im Ausland wie innerhalb der USA und bis in die eigene Belegschaft hinein.
Damit galt die Sperre auch für Teile der eigenen Entwicklung, soweit dort Menschen ohne US-Pass arbeiten, ein Unternehmen durfte sein eigenes Spitzenmodell im eigenen Haus nur noch eingeschränkt warten. Weil sich dieser Kreis technisch kaum sauber abtrennen lässt, schaltete Anthropic das Modell für alle ab.
Begründet wird der Schritt mit nationaler Sicherheit, Washington verweist auf eine Methode zum Umgehen der eingebauten Schutzmechanismen.
Anthropic widerspricht öffentlich und erklärt, die vorgeführte Technik habe nur kleinere, längst bekannte Schwachstellen zutage gefördert, die ebenso über frei verfügbare Modelle anderer Anbieter zu finden seien. Der Anordnung folgt das Unternehmen dennoch, einen Termin für die Rückkehr nennt es nicht.
In Europa hatten Forscher das Modell untersucht, Unternehmen es getestet und erste Kliniken es erprobt, bevor der Zugang über Nacht endete.
Der frühere französische Premier Édouard Philippe nennt KI eine kritische Infrastruktur wie Strom oder Internet, deren Modelle und Rechenleistung ein Land besser selbst kontrolliere, weil andere sie sonst abschalten könnten.
Genau das ist nun geschehen.
Quellen: Anthropic · Euronews · Engadget