Verkaufe grade (wie häufiger) ein Auto.
Käufer-Edition Teil II
Präludium: Wir brauchten, da Bedarf nach Zweitwagen unterschätzt und das dienstlich frei nutzbare Parkhaus dem T6 nicht wirklich gewachsen war, einen Zweitwagen. Zuverlässig, preiswert, gern mit LPG betrieben. Soviel Platz, dass zur Not auch mal vier Leute und zwei Hunde reinpassen.
Von der Erfahrung, einen zu kaufen.
1. Volvo V40
Verkäufer: Ich weiß nicht, ob der fährt, ich hab den zwei Jahre nicht gestartet!
Wir: Und weswegen verkaufen Sie ihn jetzt?
Verkäufer: Ja, der TÜV läuft nächsten Monat ab, dann müsste ich ihn verschrotten lassen.
Wir: Aha. Können wir uns das Auto mal anschauen?
Verkäufer: Ja, hier sind die Schlüssel, ich hab keine Zeit, klingeln Sie einfach, wenn Sie noch was wissen wollen!
Das Auto steht vor einer Garage, ist unfassbar verdreckt. Innen die reinste Müllhalde. Gut: Es ist ein bei Volvo durchgestempeltes Checkheft dabei, die Reifen sind Marke und nicht älter als der letzte TÜV, die Felgen haben keine Macken, mit Powerbank dran springt das Auto auf Anhieb an. Beifahrersitz freigeräumt. 50m weiter ist eine Tankstelle, dort Luftdruck korrigiert.
Probefahrt. Bremsen freigebremst, Scheiben hatten Flugrost, Beläge gut.
Alles geht.
Zurück zum Verkäufer.
Wir: Sie wollen 800 Euro? Ist das inklusive des ganzen Zeugs das drin liegt oder geht das extra?
Verkäufer: Ach so, Mist. Hab ich ganz vergessen. Also, wenn Sie ihn so nehmen, wie er ist, ich hab auch noch irgendwo einen anderen Satz Räder, aber wirklich mitnehmen, dann sind auch 200 Euro ok!
Wir: Sie mögen sicher Bargeld?
Mochte er.
Der V40 bekam eine ultra gründliche Wäsche, der Krempel aus dem Innenraum füllte einen halben Container. Innenraum mit Schaumreiniger, desinfiziert. Servicekit eines auf skandinavische Autos spezialisierten Anbieters (alle Filter, Flüssigkeiten, Wischerblätter etc.) für 250Euro.
Zwei neue Bremsleitungen für 60 Euro. Neue Batterie 90 Euro.
Gasanlagenwartung für 100 Euro. Frischen TÜV mit AU für 120 Euro.
Kosten 850 Euro.
Dann fuhr ihn meine Frau für zwei Monate, ließ sich dann von einem Arbeitskollegen überreden, ihm das Auto zu verkaufen.
Er hat glatt dreitausend Euro bezahlt.
2. Volvo V70
Verkäufer: Moin! Der ist nicht der schönste!
Wir: Nicht schlimm. TÜV?
Verkäufer: Kaum, bis zu Ihnen nach Hause. (Wir kamen aus dem Nachbarort)
Wir: Ok. Mängel?
Verkäufer: Ich hab das Auto vor 14 Jahren neu gekauft, hier sind die Ordner. Zuletzt genutzt haben wir ihn nur als Baustellenfahrzeug, darum sieht er jetzt so verkommen aus. Die Bremsen sind runter, der Auspuff hinten durch. Wenn Sie ihn gleich mitnehmen, reichen mir auch 1.500 Euro (für 2.500 hatte er in der Anzeige gestanden).
Wir: Können wir ein Stück fahren?
Verkäufer: Lieber nicht, die Bremsen, wissen Sie!
Wir: Ok. So, wie er ist, nicht fahrbereit, bieten wir Ihnen 800 Euro!
Verkäufer: Gut! Soll ich Ihnen beim aufladen helfen?
Ja, wir hatten einen Anhänger mit, in der Anzeige hatte ja „Nicht fahrbereit gestanden!“
Übliches großes Pflegeprogramm, Inspektion, Bremsen rundum neu, Auspuffgummis, vier neue Reifen, alles zusammen hatte das Auto am Ende inkl. neuem TÜV knapp unter 2.000 Euro gekostet.
Blieb dann drei Monate, dann hat ihn ein Belgier gekauft. Getroffen beim Pralineneinkauf in Belgien. Gezahlt hat er 4.000 Euro. „So einen gepflegten V70 aus dem Baujahr hab ich noch nie gesehen!“
3. BMW 530i Touring
Verkäufer: Hallo! Ich weiß nichts zu dem Auto, der hat meinem verstorbenen Nachbarn gehört!
Wir: Gibt es jemanden, der mehr weiß?
Verkäufer: Weiß nicht, glaub nicht. Ich hab Ordner von Auto.
Wir: Dürfen wir mal reinschauen?
Verkäufer: Ja, wieviel Geld?
Wir: Erst mal schauen, dann das Auto, dann reden wir über Geld!
Verkäufer: Na gut.
Die Ordner erzählten die Geschichte des Autos. Erstbesitzer, alle Inspektions- und Reparaturrechnungen. Dann erkrankte Besitzer, anderes war wichtiger als sich um das Auto zu kümmern, letzter Beleg zum Fahrzeug fünf Jahre alt.
Mit Booster sprang er sofort an, aber da Reifen zu alt, Bremsen weg gerostet etc. waren keine Probefahrt möglich.
Wir: Wir bieten Ihnen 1.000 Euro, wie er ist!
Verkäufer: Oh. Ich hab gedacht , 6.000 Euro!
Wir: Ja, wenn das Auto einwandfrei wäre, vielleicht. Aber er hat mehr als fünf Jahre gestanden. Er fährt nicht.
Verkäufer: Ich hab noch Räder in Garage, Geb ich dazu. Aber dann 1.500, ok?
Die Räder entpuppten sich als Original-BMW-Radsatz in 17“, selten und trotz Uraltreifen einwandfrei.
Also, 1.500 Euro gezahlt, mitgenommen.
Nötig waren Reinigung, Bremsen rundum, Steuergerät Gasanlage, vier neue Reifen und das defekte Originalradio wurde durch ein Android-Radio in original BMW-Optik ersetzt.
Insgesamt investiert 3.100€.
Das Auto fuhr noch, als die Familie zerbrach und wurde später verkauft. Für das Doppelte, wurde mir zugetragen.
4. BMW 330Ci Cabrio
Der war kein „brauchen wir“ Auto, sondern entsprang dem Wunsch meiner Exfrau „Ich würde mal gern ein Cabrio fahren!“
Nun.
Das Auto (Linkslenker) stand in Südengland.
Ursprünglich in den USA ausgeliefert. Eine Besitzerin, alte Dame. Äußerer Pflegezustand gut. Technisch liebebedürftig.
Auf nach England!
Wir: Hallo! Wir sind wegen des Cabrios hier!
Verkäufer: Ist gutes Auto!
Wir: Bestimmt! Können wir mal schauen?
Verkäufer: Ist gutes Auto!
Wir: Das freut uns. Den Schlüssel bitte!
Verkäufer: Ist gutes Auto!
Kürzen wir die folgende, nur allzu rüde Szene ab, in dem ich dem Inder (oder was auch immer) deutlich klargemacht habe, dass mich seine Einschätzung einen Schei** interessiert und ich endlich die Schlüssel will.
Das Auto springt an, läuft wie ein Sack Nüsse, das Diagnosegerät sagt, Gaspedalsensor defekt.
Wir: Können wir ein Stück Probefahren?
Verkäufer: Ist gutes Auto!
Ich entscheide mich kurzfristig, dass ein Aufenthalt in britischen Gefängnissen nicht erstrebenswert ist und lasse den Verkäufer am leben. Es beginnen Preisverhandlungen, ausgehend von 4.500 GBP, die am Auto stehen.
Wir: Das Auto fährt nicht, es sind satt Fehler gespeichert, die Batterie ist tot, die Reifen sind vier verschiedene. Ich biete Ihnen 1.000 Pfund.
Verkäufer: Ist gutes Auto!
Auf die folgende massive Intervention wird jemand herangezogen, der die lokale Landessprache beherrscht.
Es beginnen zähe Verhandlungen.
Verkäufer: Ist gutes Auto!
Wir: Ja. 1.000 Pfund.
Verkäufer: Ist gutes Auto! 2.500!
Wir: 1.500 Pfund, nicht mehr.
Verkäufer: Ist gutes Auto! 2.000 und wir helfen aufladen!
Und so kam es dann, dass nach zäher Verhandlung der BMW mitkam in die eigentliche Heimat.
Hier hat er die übliche große Inspektion, vier neue Reifen, ein deutsches Radio, zwei für den deutschen Straßenverkehr zugelassene Scheinwerfer und Kleinkram inkl. TÜV bekommen.
Und alles zusammen keine 5.000 Euro an Kosten verursacht. Auto ist noch da.
K U N D E !!!!!
Ich bin übrigens kein Autohändler.
To be continued