Das klingt logisch, ist aber nur die halbe Rechnung.
Und nein, das ist für mich kein „Haar in der Suppe“, wie Sie schreiben. Ein Haar in der Suppe wäre ein kleines Detail, das man übersehen kann. Wir reden hier aber über die grundlegende Frage, wer am Ende die Kosten trägt. Das ist kein Haar in der Suppe, sondern eher ein dicker Baumstamm.
Warum wird eigentlich von vielen Befürwortern der Energiewende immer so getan, als würden Betreiber von Windparks, Solarparks, Batteriespeichern oder Biogasanlagen aus reiner Überzeugung und für das Gemeinwohl handeln?
Bei Öl-, Gas-, Kohle- oder Kernkraftunternehmen wird sofort unterstellt, dass es um Gewinne, Renditen und wirtschaftliche Interessen geht. Sobald es aber um Windkraft, Solarenergie oder Batteriespeicher geht, scheint plötzlich die Vorstellung zu herrschen, dort würden Investoren Milliarden investieren, ohne dabei möglichst hohe Gewinne erzielen zu wollen.
Dabei gilt doch überall dieselbe wirtschaftliche Logik: Wer Kapital investiert, erwartet Rendite. Wer einen Windpark, einen Solarpark oder einen Batteriespeicher baut, macht das nicht aus Nächstenliebe, sondern weil sich damit Geld verdienen lässt. Und genau deshalb sollte man auch dort über wirtschaftliche Interessen, Lobbyeinfluss und Gewinner sprechen – so wie man es bei allen anderen Energieformen ebenfalls tut.
Ein Batteriespeicher erzeugt keine einzige Kilowattstunde Strom. Er kauft Strom ein, speichert ihn mit Verlusten und verkauft ihn später wieder. Natürlich können dadurch Preisspitzen geglättet werden. Aber daraus folgt nicht automatisch, dass der durchschnittliche Strompreis sinkt.
Der Speicher muss gebaut, finanziert, betrieben, versichert und irgendwann ersetzt werden. Und der Betreiber möchte Gewinn machen. Die Kosten verschwinden also nicht, sondern werden dem System zusätzlich hinzugefügt.
Hinzu kommt: Immer wenn der Staat eine Technologie zum politischen Wunschprojekt erklärt, Förderprogramme auflegt und Subventionen verteilt, entstehen starke wirtschaftliche Interessen. Das ist völlig normal. Jeder Unternehmer versucht, Geld zu verdienen.
Das beste Beispiel ist doch die Energiewende selbst. Für Windräder, Freiflächen-PV und Biogasanlagen werden heute Pachten gezahlt, die viele Landwirte mit klassischer Landwirtschaft niemals erwirtschaften könnten. Allein daran sieht man, wie stark politische Anreize und Förderungen in diesen Markt eingreifen.
Für mich hat das mit einer freien Marktwirtschaft immer weniger zu tun. Wenn bestimmte Technologien durch politische Vorgaben, Förderungen, garantierte Vergütungen und Subventionen künstlich attraktiv gemacht werden, dann ist das vor allem ein politisch gesteuerter Markt.
Die entscheidende Frage ist doch nicht, ob Speicher die Preiskurve glätten können. Die entscheidende Frage lautet: Warum haben wir trotz angeblich billigster Stromerzeugung weiterhin mit die höchsten Strompreise Europas und der Industrieländer?
Für mich wird hier häufig Preisstabilität mit günstigem Strom verwechselt. Ein Strompreis von 30 oder 40 Cent pro kWh kann auch stabil sein – günstig wird er dadurch noch lange nicht.
Und genau das ist für mich der Baumstamm in der Suppe: Wenn Wind, Solar, Speicher, Netzausbau und all die weiteren Maßnahmen angeblich Strom immer billiger machen sollen, warum sehen Bürger und Unternehmen davon auf ihrer Stromrechnung so wenig?
Statt günstiger Energie erleben wir hohe Strompreise, steigende Systemkosten, Industrieabwanderung und immer neue Förderprogramme. Da darf man die Frage stellen, ob Theorie und Praxis wirklich noch zusammenpassen.