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Von seinen Reisen schickt er Epstein Fotos von jungen Frauen, die selten Namen haben.
Allein aus den vom US-Justizministerium veröffentlichten E-Mails geht hervor, dass S. im Lauf der Jahre Fotos von mindestens 52 jungen Frauen an Epstein geschickt hat, die meisten von ihnen Europäerinnen. Wie viele danach einer Einladung Epsteins gefolgt sind, lässt sich aus den Akten nicht zuverlässig nachvollziehen.
Bei einem nächsten Treffen habe der Modelscout sie jedenfalls in sein Apartment gebeten, sagt Mara L., um via Skype einen Freund in Amerika anzurufen. Einen, der ihr bei ihrer Karriere helfen könne.
Ein paar Minuten später habe sie auf einem Computerbildschirm zum ersten Mal jenen Mann gesehen, dessen Namen sie zuvor noch nie gehört hatte, mit dem sie aber in den kommenden zwei Jahren engen Kontakt pflegen würde.
Dann verlangte Jeffrey Epstein ein Oben-ohne-Foto:
Für sie habe sich damals aus einem Arbeitskontakt eine verwirrende Beziehung entwickelt, sagt Mara L. «Eine Beziehung, in der er so getan hat, als wäre er sehr interessiert an mir und als hätten wir eine ganz besondere Verbindung – um mich dann Stück für Stück dazu zu bringen, seinen Wünschen zu gehorchen.»
Sie habe lange gedacht, dass Unterwerfung nur unter Androhung von Gewalt passieren könne, sagt Mara L. heute. Dass Menschenhandel etwas sei, bei dem Frauen auf der Strasse in Transporter gezerrt und in Kellern gehalten würden. «Dabei geschieht das ganz anders.» Der Täter nutze Ambitionen und Unsicherheiten aus, verschaffe sich auf psychologischer Ebene Dominanz über seine Opfer. «Eine Frau wie ich kann dann leicht Liebe mit Missbrauch verwechseln.»
Das erste Videogespräch mit Epstein habe keine zehn Minuten gedauert, sagt Mara L. Er habe ein paar Fragen gestellt und sie dann gebeten, ihn auf Skype zu kontaktieren. Sie hätten sich ein paar Mal geschrieben, dann habe der Amerikaner ein Oben-ohne-Foto verlangt. Sie habe gezögert, damals, in ihrem Studentinnenzimmer. Heute zögert sie nicht. Mara L. hat ihre Geschichte schon oft erzählt – wechselnden Therapeuten, ihren Anwälten, der Polizei –, sie weiss mittlerweile sehr genau, dass dies ein erstes Alarmzeichen war. Dass hier begann, was sie später als kompletten Hoheitsverlust über ihren eigenen Körper wahrnehmen würde.
Sie spürt damals, dass dieses Foto, das der Amerikaner von ihr verlangt, sie an ihre Grenzen bringt, daran kann sie sich noch klar erinnern. Doch Epstein bricht ihren Widerstand mit einem billigen Trick: Im Modelbusiness sei Nacktheit normal, sagt er. Wenn sie prüde sei, habe sie dort wohl nichts verloren.
Jeffrey Epstein war gut darin, sich als Ermöglicher der tiefsten Wünsche anderer zu inszenieren. «Er warf Mädchen, die sich ein besseres Leben wünschten, eine Art Rettungsleine zu», schreibt Virginia Giuffre, eine der Ersten, die den Missbrauch durch Epstein öffentlich machten, in ihrem 2025 erschienenen Buch. «Wenn sie Tänzerin werden wollten, bot er ihnen Tanzunterricht an. Wenn sie Schauspielerin werden wollten, versprach er, ihnen zu Rollen zu verhelfen ... Und dann tat er ihnen das Schlimmste an.»
«Jedes Mädchen will doch Model werden», so sieht Mara L. das noch heute, obwohl sie dieser Welt längst den Rücken gekehrt hat. Also schickt sie ihm damals das verlangte Nacktfoto und später noch zwei explizite Videos, die er einfordert – und Epstein schickt ein Flugticket. Drei Monate nach ihrem ersten Skype-Gespräch steigt sie in ein Flugzeug in die USA, ein paar Tage soll sie Epstein in seinem Haus in Palm Beach besuchen. Er hat es geschafft. Mara L. ist auf dem Weg zu ihm. Wie er es Hunderte Male geschafft hat.
Auch bei Roza G., die sich ein paar Jahre zuvor auf den Weg gemacht hat, nachdem der Modelagent Jean-Luc Brunel sie in ihrer Heimatstadt Taschkent angesprochen hatte.
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3.)
Die perfekte Tarnung
Als Roza G. damals, im Mai 2009, in ein Flugzeug in die USA steigt, hat sie im Gegensatz zu Mara L. kein Rückflugticket.