Systemische Zusammenfassung der bisherigen Punkte meiner Beitragsserie
In den zurückliegenden Beitragen lag der Fokus auf den Eckpunkten Erntefaktor, Speicherung und
Materialbedarf/toxische Rückstände.
1. Erntefaktor
Der Gesamterntefaktor (Energy Return on Investment) eines 100 %-VEE-Systems mit H2-Backup liegt bei ca.
11,5:1 (Royal Society UK 2050-Net-Zero-Rechnung, 20-Jahres-Betrachtung).
Aufwand (E-in über 20 Jahre):
WKA 45–50 % → 600–670 TWh
PV 25–30 % → 330–400 TWh
Speicher 15–20 % → 200–270 TWh
Netz Sonstiges 5–10 % → 70–100 TWh
Gesamt-E-in: 1.200–1.440 TWh
Ertrag: 14.000–16.000 TWh (elektrisch) → EROI ≈ 11,5
Einordnung des Gesamterntefaktors (Weißbach, Hall, Fizaine et al.):
20–30:1 → hoher Wohlstand, starkes Wachstum möglich (heutiges Fossilsystem)
10–15:1 → Grundversorgung mit Einschränkungen
<10:1 → starke Einschränkungen, Stagnation/Rezession
5:1 → Agrargesellschaftsniveau
2. Speicherung – Batterien vs. H2 (konservative Annahmen): Batterien scheiden für intersaisonale/Dunkelflauten-Speicherung aus.
Dunkelflaute Ende Dez. 2024: Lücke 5,5 TWh → 27.500× Wunsiedel-Großspeicher (200 MWh) oder 286 Mio. Pylontech-US5000-Stape (mit 4 Stück)
Ruhnau & Qvist: 55 TWh (10× das Beispiel) → bei 50 €/kWh Zellpreis allein 2,75 Billionen € (Zellen!).
Lebensdauer max. 20 Jahre → jährlich 137,5 Mrd. € Erneuerung (bei 502 Mrd. € Bundeshaushalt 2025: utopisch).
H2-Speicherung in Kavernen: Volumenfaktor - H2 braucht 3,3× mehr Volumen als Erdgas.
(gleicher Energieinhalt, Gasgleichung pV = mRsT).
55 TWh → 142 Mio. m³ (brutto), mit 30 % Polstergas deutlich mehr.
80 TWh → 206,6 Mio. m³ → 400 Kavernen à 500.000 m³.
Bauzeit pro Baulos: 8–12 Jahre (Lösungsbergbau). Gesamtinfrastruktur parallel zum Erdgasnetz → 30–100 Jahre realistisch.
Salzsole-Problem: 2,5–4 Mrd. m³ Wasser zum Lösen → jährlich bis zu 9,83 Mio. m³ Sole in Rhein/Elbe/Donau (Chlorid-Grenzwert Trinkwasser 250 mg/l massiv überschritten).
Extremszenario Tambora (1815): Aerosole reduzieren PV-Ertrag 10–20 %, Wind bis –12 % über Jahre → Speicherbedarf explodiert.
Studien (Ruhnau/Qvist) berücksichtigen das nicht → grob fahrlässig. Fazit: Weder Batterien noch H2-
Kavernen sind in den benötigten Größenordnungen machbar (Kosten, Zeit, Umwelt, Physik).
3. Materialbedarf & toxische Rückstände: Niedrige Leistungsdichte = gigantischer Materialbedarf. Kupfer (nur Deutschland, bis 2045 NEOM-Importe):
3,0–3,6 Mio. t (2.300–2.500 kt VEE 650–1.248 kt für 25–48 NEOM-Anlagen).
→ Würfel mit 74 m Kantenlänge. Abfall & Toxine (sulfidisches Erz 0,5 % Cu): Pro t Cu: 325–400 t Abfälle (Abraum Tailings Schlacke)
Gesamt: 1,17–1,44 Mrd. t Abfälle (Würfel 966 m Kantenlänge – Burj Khalifa ist 828 m).
Toxine (Mittelwert): Arsen 1,45 Mio. t, Cadmium 36.720 t, Blei 396.000 t, Quecksilber 3.672 t.
Vergleich VEE H2 (1) vs. Kernkraft (2) (150 GW gesicherte Leistung, 60 Jahre):
Materialbedarf VEE H2-System90 % KKW 10 % Spitzenlast
(1) (2)
Stahl 120–180 Mio. t 5,0–5,9 Mio. t
Beton 350–600 Mio. t 78–83 Mio. t
Kupfer 5,6–7,7 Mio. t 160–200 kt
Wasser (Kavernen) 2,5–4 Mrd. m³
NEOM-Beispiel: Ein einziges KKW Cruas (3,6 GW) bräuchte 8,5 NEOMs → 2,2 Mio. t Stahl, 220 kt Kupfer, 4,25 Mio. t Beton, 552 t Lithium.
Cruas selbst: nur 640 kt Beton 160 kt Stahl 24 kt Kupfer.
Fazit: Die Energiewende ist eine Wette gegen die Geologie – Simon Michaux hatte recht.
Quellen:
EPR2 (KKW): Wissenschaftliche Dienste des Deutschen Bundestages, WD 5-138-22 (Dezember 2022)
Offene Gasturbinen (Spitzenlast): Pacca & Horvath (2002), Vidal et al. (2017), IEA (2021)
VEE (Wind/PV Elektrolyseure Batt.-Speicher): Alves Dias et al. (Joint Research Centre/EU, 2020)
H2-Komponenten: DLR-Szenarien EWI-Studie „Die Bedeutung von Wasserstoffspeichern“ (2024) KRESSE-Studie (Wuppertal-Institut/DLR, 2014)
Ausbauzahlen: Fraunhofer ISE (REMod / Netzentwicklungsplan)
H2-Importe & NEOM-Anlagen: Nationale Wasserstoffstrategie der Bundesregierung (2023) – 180–350 TWh H2-Import
Abfall & Toxine (Arsen, Cadmium, Blei, Quecksilber): USGS-Daten EPA-Berichte (sulfidisches Erz mit 0,5 % Cu → 325–400 t Abfall pro t Kupfer)
Fraunhofer IEE (Importbedarf 882 TWh H2-Derivate bis 2050)
4. Abhängigkeiten & „Demokratie in der Energiewende“
Importquote: PV 81 % (Module 88 %), Wind Vorprodukte zunehmend Asien.
Nur 50–60 % Wertschöpfung bleibt in DE.
Frankreich-Vergleich: Kernenergie → 85–95 % Wertschöpfung im Land, Importe Uran/Gas minimal.
DE 3× abhängiger (PV LNG).
NEOM-Derivate: Transport Cracking Rückverstromung → Strom 6× teurer als Einspeisevergütung.
Gesamtbild: Keine echte Unabhängigkeit, sondern neue Abhängigkeit von China (PV, Kupfer, Lithium)
und Wüstenstaaten (Derivate). Kernenergie ist materiell und geopolitisch deutlich „demokratischer“.
Ein VEE H2-System hat einen zu niedrigen Erntefaktor, unlösbare Speicherprobleme (Batterie oder Kavernen),
explosiven Materialbedarf mit toxischen Altlasten und neue geopolitische Abhängigkeiten.
Die Energiewende (nicht die Nutzung von VEE als solches!) ist damit zur Erreichung eines stark dekarbonisierten Stromsystems nicht zielführend.