Leute denken sich solchen Unsinn aus und posten ihn ins Internet.
Heute Morgen in der Münchner U-Bahn, irgendwo zwischen Isartor und Realitätsverlust, begegnete ich einem Paradeexemplar der links-grün-woken Ideologie. Schwer einzuordnendes Geschlecht, dafür aber eindeutig politisch verortbar, schon die Kleidung war ein Statement, irgendwo zwischen Second-Hand-Zeltplane und selbstgestricktem Regenbogen.
Ich, klassisch Business Casual, MacBook in edler Lederhülle, ein klarer Trigger. Und tatsächlich, plötzlich die Ansprache. „Wissen Sie eigentlich, dass für Ihre Tasche ein Tier gestorben ist?“
Ich atmete durch, ließ meinen Blick über die elegante, handwerklich gefertigte Hülle gleiten und fragte zurück, wie sie denn ihr Notebook transportiert. Antwort, mit einer pinkfarbenen Nylon-Tasche.
Da glaubte ich noch an ein Happy End. Ein kleiner Hinweis auf Mikroplastik, Erdöl und nicht vorhandene Nachhaltigkeit und die Sache wäre durch. Aber nein. Mit fester Überzeugung verkündete mein Gegenüber, Nylon sei nachhaltig, weil es in Asien von Nylonraupen gemolken werde.
Jawohl. Raupen. Die man melkt. Für Nylon.
So wie man halt Kühe für Latte Macchiato melkt und Bäume für veganes Schnitzel.
Ich war sprachlos. Nicht, weil ich keine Antwort gewusst hätte, sondern weil ich realisierte, hier saß ich nicht einer einzelnen verwirrten Person gegenüber, sondern einem Symptom. Dem Endstadium grüner Ideologie.
In dieser Welt ist Leder böse, weil dafür Tiere sterben, Nylon aber heilig, weil es von fleißigen asiatischen Nylonraupen produziert wird. Biologisch abbaubar versteht sich, wahrscheinlich mit Öko-Zertifikat und Gender-Sternchen auf dem Kokon.
So geht also die neue Nachhaltigkeit, statt Fakten lieber Fabelwesen. Statt Verstand lieber Moral-Gesäusel. Und währenddessen glaubt man ernsthaft, man rette mit einer pinkfarbenen Plastiktasche den Planeten.
Ich stieg aus, die U-Bahn-Türen schlossen sich hinter mir und drinnen blieb die Nylonraupe sitzen, überzeugt, gerade den Kapitalismus überwunden zu haben.