Consulting Briefing vom 04.06.2026
🎙️ Microsoft hat Teams Phone einen digitalen Vorzimmerdrachen verpasst: Copilot Call Delegation nimmt deine Anrufe entgegen, fragt höflich nach Name und Anliegen, stellt durch, bucht Termine oder schiebt den Anrufer in die Voicemail. Klingt wie der Traum jedes Vertrieblers – ist aber auch ein hübsches kleines Compliance-Minenfeld.
Das Feature ist standardmäßig aus, braucht eine Microsoft-365-Copilot-Lizenz plus Frontier-Programm – und wird vom Nutzer selbst aktiviert. Genau da fängt der Spaß an: Wer eine Lizenz hat, kann seine Anrufe an eine KI delegieren, ohne dass IT, Datenschutz oder der Chef je davon erfahren. Was kann da schon schiefgehen, wenn der Bestandskunde dem Avatar gerade den laufenden Vertragsstreit diktiert?
Die harten Fakten gegen Realitätsverlust: nur Englisch, nur Desktop & Web, max. 4 Minuten pro Anruf, 15.000 Minuten pro Tenant und Monat. Für deine deutschsprachige Hotline also: vergiss es. Für ein bisschen Spielerei im Vertrieb: durchaus charmant.
Spannender als die Technik ist die Verantwortungsfrage. In regulierten Bereichen – Anwalt, Arzt, Berater, Banker – entscheidet nicht Microsofts Default-Schalter über die Grenze, sondern dein Branchenrecht. Berufsgeheimnis, DSGVO, Betriebsrat – die übliche Dreifaltigkeit grüßt.
Was du jetzt tun solltest, bevor der erste Neugierige den Schalter selbst umlegt:
1. AI-Usage-Policy für Telefonie aktualisieren (Ampel: wer darf, wer nicht?)
2. Datenschutz und Betriebsrat zu Recording/Transkription einbinden
3. CsTeamsPersonalAttendantPolicy bewusst konfigurieren, Frontier-Zugang gezielt vergeben
4. Ansagetexte und Erreichbarkeitserwartung pro Abteilung klären
Kurz: Aktivierung ist trivial, Governance ist die eigentliche Arbeit. Wer wartet, bis die Rechtsabteilung das Feature „entdeckt“, hat schon verloren. 👀
Mehr dazu im ausführlichen Artikel, Link in den Kommentaren.
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