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Etwas stimmt hier nicht!" Das sagen jetzt viele zum Fall Magdeburg. Ich bekomme unzählige Nachrichten mit der Frage, ob es sich beim Attentäter von Magdeburg nicht doch um einen Islamisten handelt. Seine
Tat könne "Taqiyya" gewesen sein, strategisches Täuschen von Ungläubigen. Das scheint mir unwahrscheinlich.
Die untypische Vorgehensweise des Täters lädt freilich zu Spekulationen ein. Doch Fragen nach vorgetäuschter Motivation gehen in die Irre. Sie entstehen durch kognitive Dissonanz: "Es kann nicht
sein, was nach meinem Weltbild nicht sein darf." Leute suchen nach Erklärungen, die mit ihrer Ideologie zusammen passen, Erklärungen, die sie entlasten und die Ereignisse so einordnen, wie sie die Realität sortieren. Das macht diese "Erklärungen" aber weder wahrer noch
richtiger. Die Realität ist vielschichtig.
Mit aktuellem Kenntnisstand sehe ich hier keinerlei Beweise für eine islamistische Position. Es gibt öffentliche Interviews, Texte, Tweets des Mannes, und es gab Leute, die Behörden vor ihm gewarnt haben. Einige seiner Tweets wirken sarkastisch, ironisch, aber keineswegs wie
Beweise für Islamismus. Ich glaube, viele denken hier einfach zu sehr um die Ecke und unterstellen dem Täter ein Maß an manipulativer Strategie, das ich nicht erkennen kann.
Wo der Täter in seinen Texten konkret und klar wird, zeigt sich eine wahnhaft übersteigerte Verschwörungstheorie. Er behauptet, Deutschland habe asylsuchende Dissidenten aus Saudi-Arabien verraten. Er wirft dem deutschen Staat, der Polizei und der Justiz vor, bewusst ausgerechnet gegen saudische Asylsuchende zu arbeiten. Diese fantasierte Verschwörung hat ihn persönlich tief gekränkt – als jemanden, der sich in diesem Kontext als Aktivist auf der Seite der Verfolgten versteht. Aus dieser Kränkung wurde ein wahnhaftes Narrativ, das in hysterischen Hass auf Deutschland mündete. Die Ursachen des Wahns dürften sich auch in einer vermutlich autoritären, gewaltbelasteten Sozialisation des Mannes finden lassen.
Natürlich müssen wir die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten. Doch in einer postfaktischen Zeit wie dieser, in der längst um die Deutungshoheit über Narrative gerungen wird, sollten wir so
substantiell wie möglich bei Fakten bleiben. Ich sehe weder einen islamistischen noch einen antiislamischen Hintergrund als zentral. Vielmehr steht hier ein irrationaler Hass auf Deutschland im
Mittelpunkt.
#MagdeburgAttack #Magdenburg