»Grooming Gangs« in England sind in erster Linie ein Migrations-, in zweiter Linie ein Strafverfolgungs-, in dritter Linie ein Integrations-, in vierter Linie ein Islam-, in fünfter Linie ein Zivilgesellschafts- und in sechster Linie ein familiäres Problem. Auf tragische Weise verkörpern sie somit geradezu archetypisch die Krise des modernen Westens: Einheimische Gesellschaften haben Migration aus muslimischen Gesellschaften in solchen Zahlen zugelassen, dass sich ganze Enklaven und Parallelviertel bilden konnten, und jene Einwanderergemeinschaften, auch durch hohe Geburtenraten, immer größer wurden, während sie sich selbst abschotteten. Aus diesen Strukturen konnten junge Männer wiederum unbehelligt agieren und wurden in vielen Fällen von ihren Familien beim »Grooming« protegiert.
Eine laxe »Criminal Justice« ließ diese Auswüchse nicht nur zu, indem sie Polizisten eintrichterte, ein Verdacht gegen pakistanische Banden sei rassistisch; sondern auch, indem sie an einem Justizsystem festhielt, das Täter schlicht nicht abschreckt – und diese ohnehin nur in den seltensten Fällen den Verlust ihres Aufenthaltsrechts befürchten mussten.
Zentral zu verstehen ist aber meines Erachtens nach: Die vorwiegend pakistanischstämmigen Strukturen stießen auf eine britische Gesellschaft, in der Familien nicht mehr intakt waren; in der Schulen, Nachbarschaften, Kirchen und Vereine verschwanden, aus falscher Rücksichtnahme wegschauten (oder sogar mitmachten). Es ist kein Zufall, dass das »Striegeln« mit Aufmerksamkeit, Statussymbolen, Partys, Geldgeschenken und einem vermeintlich attraktiven Lifestyle einerseits einherging, andererseits aber gerade (nicht immer, aber oft) sozial isolierte Mädchen ins Visier nahm. Es ist ebenfalls kein Zufall, dass manche Hotspots von Grooming-Skandalen Städte mit wirtschaftlichen Problemen waren, in denen die englische Arbeiterschaft sukzessive an Rang, Ansehen und Wohlstand verlor, während die Politik global Einwanderer (etwa für Textilfabriken) rekrutierte. Mein Punkt ist: Solch ein systematisches Verbrechen, das über mehre Jahrzehnte ging, ist nur in atomisierten Gesellschaften mit geradezu umerzogenen Bürgern möglich, die einen natürlichen Selbstschutz verloren haben und denen implizit der Gesellschaftsvertrag aufgekündigt wurde. Es ist kein Zufall, dass jene zerfaserte Partikulargesellschaft dann auf islamische Täterstrukturen trifft, die, im Gegensatz zu ihnen, extrem tribalistisch geprägt sind, ethnisch denken, (nach außen hin) religiöse Gemeinschaft betonen und Gruppendenken verinnerlich haben.
Letztere Problembenennungen darf zwar nie an den Anfang gestellt werden, ist aber zweifellos wichtig, um das Phänomen in seiner ganzen Komplexität und mit seinen Wechselwirkungen zu verstehen. Hier scheitert nicht nur die Einwanderungspolitik, sondern mit ihr gewissermaßen auch eine moderne Gesellschaft ohne Resilienz. Dass sich auf allen geschilderten Ebenen politisches Versagen (mitsamt teils grotesker Tabuisierung) feststellen lässt, versteht sich von selbst.