Heute Mittag wurde Selenskyjs Brief an Trump und den US-Kongress geleakt. Der Inhalt ist kurz erzählt, weil er ohnehin überall zu lesen ist.
Die Patriot-Interceptoren werden knapp. Beim jüngsten Oreschnik-Angriff in der Region Kyjiw waren gerade noch zwei übrig.
Und Lawrow hat Rubio am 25. Mai offiziell mitgeteilt, dass die systematischen Schläge gegen die Kyjiwer Entscheidungszentren laufen. Ausländische Botschaften möge man bitte evakuieren.
Was jedoch niemand schreibt: Dieser Brief löst absolut nichts.
Die Ukraine braucht durchaus weitere Patriot-Systeme. Doch das eigentliche Nadelöhr sind längst nicht mehr die Batterien selbst, sondern die Raketen, die darin fehlen.
Was der Ukraine verzweifelt ausgeht, sind PAC-3-Interceptoren, die mehrere Millionen Dollar das Stück kosten. Lockheed Martin in Arkansas produziert mit den neuen Linien im gesamten Jahr 2026 maximal 700 Stück.
Zum Vergleich: Im Iran-Krieg wurden im Golf innerhalb von nur vier Tagen 943 Raketen verschossen. Die USA selbst haben laut CSIS bereits bei mehreren Schlüsselmunitionen einen erheblichen Teil ihrer eigenen Bestände in der Operation Epic Fury verbraucht.
Selbst wenn Spanien jetzt aus seinen rund 50 Reserveraketen ein paar Dutzend nach Kyjiw schickte, wäre das lediglich die Patrone für die nächste Woche, nicht die für die Zeit danach.
Madrid hätte trotzdem jeden Grund, es zu tun. Pedro Sánchez hat Trump im Iran-Krieg verärgert, woraufhin der Handel mit Spanien gekappt werden sollte und im Umfeld des Pentagon sogar Überlegungen über massive Konsequenzen bis hin zu einem NATO-Ausschluss kursierten.
Eine Geste an Kyjiw wäre die billigste Form, sich politisch zu rehabilitieren, ohne in den Hormus-Wahnsinn hineingezogen zu werden. Doch bisher herrscht nur Schweigen.
Aber selbst wenn Madrid handelte, liegt das eigentliche Problem nicht dort.
Russland produziert unentwegt weiter: Schahed-Drohnen, Marschflugkörper, Iskander, Oreschnik. Russland hat das Geld dafür, auch weil Trump am 13. März die Sanktionen für russisches Öl ausgesetzt hat. Vorgeblich geschah dies temporär, um die Hormus-Preisspirale zu dämpfen.
Tatsächlich war es ein Konjunkturpaket für den Kreml, mitten im Krieg. Der Brent-Preis stand zeitweise über 120 Dollar, und Moskau hat seither Tankerladungen nach Indien, auf die Philippinen und an alle verkauft, die bei drei nicht auf den Bäumen waren. Die mühsam aufgebaute G7-Sanktionsarchitektur seit 2022 ist damit völlig durchlöchert.
Wir stehen im Mai 2026 also genau da, wo wir 2022 standen. Russland greift an, der Westen liefert reaktiv, und Putin behält jeden konventionellen Vorteil, den er hat. Allen voran betrifft das die ballistischen Raketen, die Selenskyj in seinem Brief bitter als Putins letzten Vorteil auf dem Schlachtfeld bezeichnet.
Die Friedensinitiative aus dem Weißen Haus hat nichts erreicht außer einer Sache: Sie hat Russland massiv den Rücken gestärkt. Das geschah über Sanktionserleichterungen, über Verhandlungsformate, in denen die Ukraine nicht einmal am Tisch saß, und über die öffentliche Demütigung Selenskyjs.
Selenskyj schreibt also an Trump, von dem er weiß, dass er nicht helfen wird. Er schreibt parallel an den Kongress, von dem er ahnt, dass die MAGA-Mehrheit nichts beschließen wird. Dieser Brief ist kein Hilferuf mehr, er ist ein historischer Protokollvermerk der eigenen Verlassenschaft.
Wenn die Interceptoren knapp sind und der Nachschub auf Jahre hinaus nicht reicht, dann gibt es genau einen einzigen militärischen Hebel, der das Problem an der Wurzel anfasst.
Man darf nicht mehr versuchen, jede einzelne Schahed mühsam abzufangen, sondern muss die Fabriken treffen, in denen sie gebaut werden. Es müssen die Munitionslager getroffen werden, aus denen sie verschossen werden, und die Logistikknoten, über die der Nachschub auf die Krim rollt.
Genau für diesen Zweck gibt es ein Waffensystem, das weiterhin ungenutzt in deutschen Hangars liegt. Den Taurus. Fünfhundert Kilometer Reichweite, präzise, einsatzbereit. Dass sein Einsatz komplexe Planung, Zielintegration und Ausbildung voraussetzt, ist bekannt.
Doch genau deshalb wirkt es umso absurder, dass Berlin seit Jahren weder liefert noch ernsthaft vorbereitet. Friedrich Merz sagt als Kanzler weiterhin Nein – derselbe Merz, der in der Opposition noch vehement die Lieferung gefordert oder zumindest die Drohung damit verlangt hatte.
Roderich
@RKiesewetter, außenpolitischer Obmann seiner eigenen Fraktion, hat Merz gestern in der Süddeutschen Zeitung frontal angegriffen und gefordert, dass die Lieferung längst überfällig sei.
Mittel, um die russische Kriegslogistik, Produktionsanlagen und Munitionslager auszuschalten, bevor Russland von dort Raketen und Drohnen auf die ukrainische Zivilbevölkerung abschießen kann, blieben essenziell.
Die bequeme Ausrede aus dem Kanzleramt, die Ukraine brauche den Taurus nicht mehr, weist Kiesewetter ausdrücklich als unzutreffend zurück.
Dabei verliert Putin eigentlich auf dem Schlachtfeld. Es gibt kaum noch operative Durchbrüche, die Soldaten werden weniger, und das russische Wirtschaftsmodell ächzt unter der Last.
Genau in dem Moment, in dem er konventionell am Ende ist und nur noch seine ballistischen Raketen als Hebel besitzt, entscheiden wir uns im Westen, ihn einfach gewähren zu lassen.
Wir tun das mit dem Taurus in der Halle, mit einem Kanzler, der seine eigenen Oppositionsreden bricht, und angesichts einer Ukraine, die seit vier Jahren ihr Blut lässt, damit dieser Krieg nicht in Warschau, Vilnius oder Berlin ankommt.
Das ist die bittere Lage am heutigen 27. Mai 2026.
40 million Ukrainians are crying out for help.
Terrible weeks lie ahead; anti-aircraft missiles are running low, and Ukrainian cities are left unprotected: Zelenskyy’s letter to Trump has been released.
The letter further states that during the last massive attack on Kyiv and the Oreshniki region, only two missiles remained.
Further statements made by Zelenskyy in the letter to the US President:
Every day, we lose people and infrastructure to Russian attacks. That is why we deeply appreciate any support for Ukraine’s air defense capabilities. Even when we ourselves are under fire, we do not leave our friends without assistance. For we understand what is at stake—and how much could be lost.
Ukraine has raised its interception rate for Russian attack drones—including "Shaheds"—to over 90 percent. This Ukrainian experience has already helped countries in the Middle East and the Persian Gulf region strengthen their own defense capabilities. When Jordan, Saudi Arabia, Qatar, the UAE, Kuwait, and others reached out to us, I told them that Ukraine could not stand idly by. We were ready to stand by their side.
Given the existential threat posed to our nation by Russia—and having received extraordinary support from you, the United States, in defending the lives of our people and Ukraine’s independence—I am convinced that we have a moral duty and responsibility to stand by your side, and by the side of all those who champion security and freedom. And we believe that true alliances rest upon such foundations.
When it comes to missile defense, we rely on our friends and partners around the world.
And when it comes to defending against ballistic missiles, we rely almost exclusively on the United States. Patriot systems remain the most effective means of countering any type of Russian ballistic missile. And specifically in Ukrainian hands, Patriot systems have demonstrated something of enormous significance: that most Russian missiles can be intercepted.
Russian officials are threatening to make attacks—such as the one launched against Kyiv on the eve of Memorial Day—a permanent feature of a broader and more systematic campaign.
We are aware that there is currently high demand for Patriot interceptor missiles in other regions—particularly given the situation in the Persian Gulf and other growing security challenges. For us—a nation fighting for its very survival—there is scarcely anything more painful than finding Patriot batteries left without missiles.
I ask for your assistance in protecting Ukrainian airspace from Russian missiles.
We understand that the United States continues to bear responsibility for its own defense, as well as for the defense of its allies and partners. And we agree that Europe must assume a greater role in ensuring its own security. Yet, after everything we have endured together—have we not earned a place among your allies?
Scaling up Patriot production could be one of the most significant joint contributions to the security of America, Ukraine, Europe, and your allies around the world.
Putin has already lost in a historic sense. Now, in the fifth year of this war, Russia has failed to defeat a country backed by the democratic world—a country with no Western troops on its soil, yet with strong Western support helping us to defend ourselves. This reality has already shattered Moscow’s global ambitions. Putin has also lost the Black Sea. Without a major navy of our own, we have pushed back Russia’s Black Sea Fleet using our drones, forcing the Russian fleet to hide in distant ports. And even there, we continue to reach them.
Yet, as long as Putin retains even a single significant advantage in conventional weaponry, he will shun traditional diplomacy. Today, his ballistic missiles remain precisely that—his last major advantage on the battlefield.