Falls mal wieder jemand eine Antwort-Vorlage braucht, wenn jemand „ABER WENN E-AUTOS ÜBERLEGEN WÄREN, BRÄUCHTE ES KEINE VERBOTE 🤡“ schwurbelt. Ich weiß, es ist mühsam, ich weiß, es ist Taubenschach, ja, mit unvernünftigen Menschen kann man nicht vernünftig reden.
Trotzdem. 🫶
Das Argument klingt auf den ersten Blick plausibel, ist historisch aber nicht haltbar. Technisch überlegene Lösungen haben sich sehr oft nicht „von selbst“ durchgesetzt, sondern brauchten staatliche Förderung, Regulierung oder Infrastrukturpolitik, um bestehende sog. Pfadabhängigkeiten zu überwinden.
Wer mit dem Begriff nichts anfangen kann: Pfadabhängigkeiten meint, dass es eben keine Garantie dafür gibt, dass sich immer die beste Lösung durchsetzt, weil sie abhängig ist von Faktoren wie beispielsweise hohe Umstellungskosten, eine schlechtere Lödung hat sich schon etabliert usw. Ein Beispiel: unsere Tastaturen. Die sind weder für Ergonomie noch für Geschwindigkeit optimiert, aber praktisch nicht mehr änderbar. Oder VHS vs. Betamax: Betamax war technisch besser, VHS hatte schnelleres Marktwachstum, alle (Videotheken, Haushalte, Produktion, …) folgten dem VHS-Pfad.
Das mal nur zu dem Thema Pfad-Abhängigkeit. Es sind sozusagen die Hürden, über die eine neue Technologie drüber muss, auch, wenn sie deutlich besser ist, zukunftssicherer, klimafreundlicher, … VERNÜNFTIGER ist.
Mal ein paar gut belegte Beispiele:
Eisenbahn vs. Kutsche
Und, hat sich die Eisenbahn „von selbst“ durchgesetzt, weil sie so vernünftig ist? Weil sie schneller ist, höhere Transportkapazität hat, weniger wetterabhängig ist?
Nein.
Es mussten enorme Anfangsinvestitionen gestemmt werden, staatliche Finanzierung von Trassen, Landzuteilungen, Garantiezinsen, Enteignungsrechte
Will sagen: Die Eisenbahn setzte sich nicht „marktgetrieben“ durch, sondern staatlich flankiert.
Welch Ironie, der Verbrenner!
Pferde waren bereits „infrastrukturell integriert“ (Ställe, Futter, Berufe, …), es gab massive Investitionen in Straßenbau.
Strom! Internet! Computer! Erneuerbare Energien! Katalysator! Sicherheitsgurte!
Dafür reicht der Platz nicht,
Alles hat massive Lenkung gebraucht, staatliche Förderung oder gesetzliche Pflichten, manchmal kam die Marktreife erst nach Jahren der Subventionen.
Mein Fazit:
Technisch überlegene Systeme setzen sich selten „von alleine“ durch, wenn hohe Anfangsinvestitionen nötig sind, bestehende Infrastruktur dominiert, externe Kosten nicht eingepreist sind, Netzwerkeffekte (eine Lösung wird wertvoll, weil viele es nutzen, nicht, weil es die beste Lösung ist, siehe beispielsweise Messenger, gefühlt alle Menschen sind bei WhatsApp, praktisch alle Messenger sind besser / Datenschutz, dies, das) wirken.
Elektromobilität erfüllt alle vier Punkte.
Das Argument „Wenn es überlegen wäre, bräuchte es keine Förderung“ widerspricht der Wirtschaftsgeschichte, der Infrastrukturökonomie, jeder Innovationsforschung.
Historisch ist eher das Gegenteil richtig:
Fast jede disruptive, überlegene Technik brauchte Lenkung, um sich durchzusetzen.
Was auch gerne dabei vergessen wird: Man sollte nicht von der Prämisse ausgehen, dass die Menschen schon alle vernünftig sind und zuerst an die Gemeinschaft und dann an sich denken. Ein Viertel der Wähler wählt eine rechtsextreme Partei. Herrscht da eine Weltanschauung vor, bei der man auf Vernunft und Menschlichkeit bauen kann? Hat man sich in der Pandemie wirklich mit Vernunft bekleckert, mit der Unterhose im Gesicht und dem Skandieren, man müsste alle Virologen aufhängen? Hat sich Eigenverantwortung als unsere große Stärke bewiesen? Ein Miteinander, in den Nudel- und Klopapierkriegen? Ich denke nicht.
Pfad-Abhängigkeiten. Sie machen es schon schwer genug. Und das in einer Welt mit Trump und AfD.
Möge die Vernunft auch die Politik erreichen.