Leider wahr. 👇
Das Drehbuch kennen wir längst.
Ende der 70er, Anfang der 80er war es Japan.
Deutsche Unterhaltungselektronik ging den Bach runter.
Toyota und Honda kamen.
Erst belächelt. Dann gefürchtet.
In den 90ern und 2000ern kam Südkorea.
Samsung, LG, Hyundai, Kia.
Wieder erst billig. Dann brauchbar. Dann gut. Dann Weltmarkt.
Und jetzt China.
Nur China kommt nicht nur mit einem Fernseher und einem Kleinwagen.
China kommt mit Autos, Batterien, Solar, Maschinenbau, Chemie, Rohstoffen, Vorprodukten und Lieferketten.
China greift nicht einen Markt an.
China greift das Fundament an.
Und Deutschland steht wieder da und sagt:
„Das konnte ja keiner ahnen.“
Doch.
Konnte man.
Man hätte nur bei Japan lernen müssen.
Oder bei Südkorea.
Oder wenigstens bei China, als China seine Strategie offen auf den Tisch gelegt hat.
Aber Deutschland hatte keine Strategie.
Deutschland hatte Erfolg.
Deutschland hatte Exportüberschüsse.
Deutschland hatte billiges Gas.
Deutschland hatte China als Kunden.
Deutschland hatte Amerika als Schutzschirm.
Kurz: Deutschland hatte ein Geschäftsmodell.
Nur leider ist ein Geschäftsmodell keine Zukunftspolitik.
Und jetzt wirft man China vor, strategisch gehandelt zu haben.
Also genau das, was ein Staat bei Schlüsselindustrien tun sollte.
Natürlich muss Europa unfairen Wettbewerb bekämpfen.
Natürlich muss man Dumping, Überkapazitäten und Abhängigkeiten ernst nehmen.
Aber man sollte dabei nicht so tun, als sei das eigentliche Problem, dass China einen Plan hatte.
Das eigentliche Problem ist:
China hatte Industriepolitik.
Deutschland hatte Exportstolz.
Und jetzt wundert sich der Exportstolz, dass Industriepolitik gewinnt.