Heute vor 15 Jahren starben drei deutsche Soldaten beim Karfreitagsgefecht, weitere wurden schwer verletzt. Eine Infanterieeinheit des Fallschirmjägerbataillons 373 geriet in einen Hinterhalt der Taliban. Neun Stunden dauerte das Gefecht, trotz Luftunterstützung durch die verbündeten USA. Afghanistan war der erste Bündnisfall der NATO, ausgelöst durch die USA nach den Terroranschlägen 9/11. Robuste Kampfeinsätze, auch wenn die Lage es erfordert hätte, waren politisch für die Bundeswehr nicht vorgesehen. Unsere Soldaten waren lange Zeit nicht für die Verhältnisse vor Ort, für einen Kriegseinsatz ausgestattet. Das Karfreitagsgefecht hat das auch der Politik verdeutlicht. Doch auch danach blieb das politische Ziel unklar, die Gesamtkonzeption und die Ausstattung für einen effektiven Einsatz und sinnvolle Einsatzoptionen blieben schwierig, weil der politische Wille zur Anerkennung der Realität vor Ort und zur Beachtung des militärischen Ratschlags fehlte. Unsere Soldaten erfüllten dennoch unsere Bündnispflichten und auch unter widrigsten Umständen politisch vorgegebene Ziele. Sie riskierten dabei ihr Leben und sie wurden vom Parlament und der Regierung nicht immer ausreichend ausgestattet. 59 deutsche Soldaten kehrten nicht mehr zurück, viele weitere wurden bei dem verlustreichen Einsatz in Afghanistan verletzt und oder traumatisiert. Nach dem Karfreitagsgefecht sprach zwar die Bundesregierung erstmals vom Krieg in Afghanistan – wirklich geändert hatte sich im Mindset und auch bei der notwendigen Ausstattung allerdings nicht genug. Zu viele Entscheidungsträger verschlossen weiter die Augen und wollten die Lehren nicht ziehen. Ich bin unseren Soldaten und den Kameraden unserer NATO-Partner sehr dankbar für den Einsatz. Sie haben ihren Einsatzauftrag bis zuletzt erfüllt. Persönlich bin ich wie viele Soldaten aber auch enttäuscht von den Bundesregierungen und vom Parlament, weil wir uns so lange weigerten und viele sich heute noch weigern, die Realität anzuerkennen, strategisch vorausschauend zu denken und unsere Soldaten entsprechend der Einsatzlage robust auszustatten. Stattdessen wird auch heute noch mit dem großen Rechen durch ganz Deutschland gefahren, um unsere Bundeswehr für kleinere Missionen auszustatten. Dieses Zögern, diese Verweigerung, für Sicherheit Geld einzusetzen, um Fähigkeitsaufbau zu ermöglichen, das Ausblenden, dass man für Freiheit kämpfen muss und dazu unsere Truppen ein robustes Mandat brauchen – das kostet am Ende Einsatzoptionen, weil die Zeit immer mitläuft. Und das kostet Menschenleben – in Afghanistan, beim Karfreitagsgefecht und heute in der Ukraine.