KvD anno 1243: Wohlan ihr guten Leut!
Nach mehreren Stunden auf dem Wege vom Rheinland gen Worms war ich mit meinen getreuen Begleitern gar müde und voller Staub. So erreichten wir endlich eine Herberge, und wie sehr sehnte ich mich nach einem warmen Feuer, einem frischen Trunk und einem ruhigen Lager.
Doch kaum hatten wir den Schankraum betreten, da begann ein heilloses Durcheinander. Einer meiner Begleiter meinte, das Pferd müsse, so es um seine Sicherheit stünde, möglichst nah bei uns bleiben, und führte es kurzerhand beinahe bis an unseren Tisch. Ein anderer wollte unseren Raben mit einem Bissen Brotes erfreuen — und hätte er geahnt, welch große Torheit er damit beging, so hätte er es wohl gelassen.
Denn der Rabe nahm die Gabe nicht etwa dankbar an, sondern erspähte sogleich den Hut des Wirts. Ehe jemand ein Wort sprechen konnte, war er schon im Fluge, zog den Hut vom Haken und setzte sich hocherfreut damit auf einen Balken unter der Decke. Der Wirt schimpfte laut, doch selbst er konnte sich ein Schmunzeln nicht ganz verbergen.
Als wäre dies noch nicht genug gewesen, schnaubte unser Pferd dermaßen heftig, dass es den Krug eines Knechts umstieß und der gute Mann fluchend zurücksprang. Da stand ich mitten im Lärm, hob nur leicht die Hand und sprach, dass man auf Reisen bald erkenne, wer hier eigentlich die Herrschaft über das Geschehen habe — und hier sei es nicht die Dame am Tisch, sondern der Rabe über dem Wirt.