Es gibt einen Begriff, der immer wieder fällt, besonders wenn es darum geht, die AfD von parlamentarischen Ämtern auszuschließen: „Unsere Demokratie“. Was um Himmels willen soll diese „unsere Demokratie“ sein?
Der Begriff „unsere Demokratie“ ist nicht nur falsch, sondern das genaue Gegenteil von Demokratie. Demokratie ist nämlich nicht „unsere“. Demokratie ist nicht exklusiv, sie ist inklusiv. Wer von „unserer Demokratie“ spricht, sagt: Demokratie für uns, aber nicht für euch. Das ist jedoch keine Demokratie. Das ist ein Machtmonopol!
Genau dieses Machtmonopol wird im Bundestag aktuell leider verteidigt. Der AfD werden weiterhin Posten verweigert, die ihr nach den parlamentarischen Regeln zustehen. Es geht nicht um die AfD. Es geht nicht um ihre Inhalte. Es geht um das Prinzip, dass eine Demokratie entweder für alle gilt oder für niemanden.
Ein häufig vorgebrachtes Argument gegen die AfD ist ihr Verhalten und ihre Haltung gegenüber der Demokratie. Sie werde das Parlament missbrauchen und verachten, so die Vorwürfe. Auch die AfD-Mitglieder hätten sich wiederholt in einer Weise geäußert, die den Anstand und die parlamentarische Kultur infrage stellt – wie etwa die beleidigenden Äußerungen eines AfD-Mitglieds über andere Politiker.
Die Leute, die so argumentieren, haben offensichtlich vergessen, dass auch den Grünen in ihren Anfangsjahren ähnliche Vorwürfe gemacht wurden. Ein grünes Mitglied nannte einen anderen Vorsitzenden „Arschloch“, was als unangemessen und respektlos empfunden wurde. Das Mitglied wurde übrigens später Außenminister, ich sage’s nur.
Auch die Linke, die aus der SED hervorgegangen ist, muss sich wiederholt für die autoritäre Vergangenheit der Partei rechtfertigen, die in der DDR verantwortlich war für die Schießbefehle an der Grenze, die zur Ermordung von Flüchtlingen führten. Trotz dieser Vorwürfe und der schwierigen Geschichte haben beide Parteien wichtige parlamentarische Ämter übernommen und sind in den politischen Diskurs integriert.
Dass eine Partei vom Verfassungsschutz beobachtet wird, ist ebenfalls kein Argument für den Ausschluss von Parlamentsämtern. Die Grünen wurden beobachtet. Die Linke wurde beobachtet. Und dennoch haben beide Parteien über Jahrzehnte hinweg Vizepräsidenten gestellt, Ausschussvorsitze übernommen und Regierungsverantwortung getragen. Petra Pau von der Linken war fünfzehn Jahre lang Bundestagsvizepräsidentin – während ihre Partei unter Beobachtung stand.
Demokratie bedeutet, dass Regeln für alle gelten – nicht nur für die, die man mag. Man muss die AfD nicht mögen. Man kann sie kritisieren und ablehnen, aber wer glaubt, Demokratie bedeute, dass man die Regeln je nach politischer Gesinnung auslegen kann, der hat nicht verstanden, was Demokratie ist. Demokratie heißt nicht, dass nur die Macht haben, die man für moralisch richtig hält. Demokratie heißt, dass die Spielregeln für alle gleich sind. Wer sie verändert, um unliebsame Gegner auszuschließen, stellt sich selbst außerhalb der demokratischen Grundordnung.
Wer heute mit dem Begriff „unsere Demokratie“ argumentiert, sollte sich fragen: Ist es wirklich Demokratie, wenn man festlegt, wer zu „uns“ gehört und wer nicht? Eine Demokratie, die nur für einige gilt, ist keine Demokratie. Sie ist ein Kartell.
Demokratie bedeutet nicht, dass die Richtigen an die Macht kommen. Demokratie bedeutet, dass alle die gleichen Rechte haben. Und wer das nicht akzeptiert, sollte aufhören, sich Demokrat zu nennen.
Wie wäre es also, für eine Demokratie zu kämpfen, die so gut strukturiert ist als Republik, dass niemand Angst haben muss, wenn der politischen Gegner an die Macht kommt? Wie wäre es, wenn die Parteien nur noch Gesetze erlassen, mit denen sie leben können, selbst wenn sie ihre Macht verlieren und ihre politischen Gegner an die Macht kommen? Das wäre eine gute Republik und eine Demokratie für alle.