Gerade mit einer 14-Jährigen gesprochen.
"Wir machen gerade Napoleon im Geschichtsunterricht". "Toll, das ist super spannend."
"Neee, wir müssen ständig innere Monologe schreiben." *???*
"Ja, zum Beispiel sollten wir uns vorstellen, was wir denken würden, wenn wir Studenten wären, und hätten gegen Napoleon gekämpft, aber dann setzen die Fürsten ihre Vorstellungen um, und nicht das, was wir wollen".
"Was denkst du denn, was die damals gedacht haben." "Ja, weiß ich nicht."
"Ich denke, sie haben sich gefragt, wie sie die Miete zahlen sollen, wenn sie am Wochenende vorher ihr ganzes Geld versoffen haben."
"Wenn ich das schreibe, bekomme ich eine 6 wegen Arbeitsverweigerung."
Mein innerer Monolog während des gesamten Gesprächs: 😱😱😱
Im Ernst, das ist eine methodische Strategie, die den Menschen in die Stumpfheit führt. Anstatt Schüler an die Gedankenwelt anderer Zeiten heranzuführen, werden Jugendliche den Grenzen ihrer Vorstellungswelt überlassen. Und wer jetzt meint: Naaaaaaaaain, das ist doch ganz super, wenn sie sich in diese Leute hineinversetzen sollen. Habt ihr schon mal drittklassige Historienromane gelesen? Die wenigsten erwachsenen Menschen (mich eingeschlossen) können die Gedankenwelt vergangener Epochen glaubwürdig und realistisch reproduzieren. So funktioniert Lernen einfach nicht. Sorry.