Das Bild Israels in der deutschen Öffentlichkeit hat sich in den vergangenen Jahren massiv verschlechtert. Laut einer aktuellen Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach haben nur noch 20 Prozent der Bevölkerung ein gutes oder sehr gutes Bild von Israel – 2022 waren es noch 54 Prozent. Gleichzeitig ist der Anteil derjenigen, die das Land negativ sehen, von 23 auf 57 Prozent gestiegen.
Auch die Zustimmung zum „militärischen Vorgehen Israels“ in Gaza ist drastisch gesunken: Nur noch 13 Prozent halten es für angemessen, 65 Prozent lehnen es ab. Auf die Aussage „Was Israel gerade in Gaza macht, ist in meinen Augen Völkermord“ antworteten 73 Prozent, daran sei „etwas dran“.
Trotz dieser wachsenden Kritik an Israel zeigt die Umfrage, dass sich die Haltung gegenüber Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht grundsätzlich verändert hat. Antisemitische Stereotype wie die Vorstellung, Juden hätten zu viel Einfluss in Wirtschaft oder Medien, finden heute deutlich weniger Zustimmung als noch vor einigen Jahrzehnten. Auch die Bereitschaft zur Aufarbeitung der NS-Verbrechen bleibt hoch.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die deutsche Bevölkerung zunehmend zwischen Israel und der Haltung gegenüber Juden unterscheidet. Während das Image des israelischen Staates leidet, ist in der Breite der Gesellschaft keine Zunahme antisemitischer Einstellungen festzustellen. Die Kritik richtet sich klar gegen die aktuelle Politik - nicht gegen das Judentum selbst. Damit widerlegt die Umfrage zahlreiche unbelegte Wortmeldungen, wonach Kritik an Israels Verbrechen Antisemitismus im Land verstärken würde.
Der Internationale Strafgerichtshof hat Haftbefehle gegen Israels Führung wegen Kriegsverbrechen in Gaza erlassen. Der Internationale Gerichtshof bezeichnet Israels Besatzung als illegal und als Apartheid. UN-Ermittler und -Ausschüsse werfen Israel Genozid vor. Auch Amnesty International, Human Rights Watch und Genozid-Forscher stufen die Verbrechen in Gaza als Genozid ein. Der Internationale Gerichtshof hält den Genozidvorwurf für „plausibel“.