Ich möchte allerdings nicht den Eindruck erwecken, nichts an den „Siedlungen“ sei ein Problem. Hier ist zu wenig Platz und Zeit dafür.
Aber mir geht es vor allem um eine Art „Reset“ des Diskussionsrahmens, der außer Kontrolle geraten ist. Es ist eine legitime und gut begründete völkerrechtliche Bewertung, dass Israel 1948 Souveränitätsrechte über die gesamte Region einschließlich der Westbank erworben hat; dann kann auch die Besatzung keine sein, man kann nicht sein eigenes Gebiet besetzen.
Man muss aber zur Kenntnis nehmen, dass fast alle westlichen Regierungen das anders sehen – ob man es nun richtig findet oder nicht.
Aber Israel selbst hat seit 1967 keine Tendenzen gezeigt, diese Souveränität auszuüben, sondern an „Land für Frieden“ (Zweistaatenlösung) geglaubt und konsistent danach seine Politik ausgerichtet. Auch, weil man nicht zur Minderheit im eigenen Land werden wollte, was prompt den „Ethnostate“-Vorwurf produziert hat, weil man es der Szene halt nie recht machen kann. Erfolgreich war das nicht.
Dennoch kann man die Diskussion entgiften und wieder eine Augenhöhe mit der überwältigenden „Unterstützung“ der internationalen Gemeinschaft schaffen, wenn man mal darauf hinweist, dass es keineswegs um „eindeutig illegale“ Siedlungen geht, sondern um eine völlig legitime Bevölkerungsentwicklung, die den arabischen Bevölkerungsteilen genauso zugebilligt ist, auch in Israel, ohne Aufhebens.
Smotrichs „Wir verhindern damit einen Palästinenserstaat“ ist keine Mehrheitsposition und auch eine absichtliche Provokation – v. a. aber ungeeignet, so etwas zu verhindern. Das Hindernis sind nach wie vor die palästinensischen Führungen.
Wenn man endlich den Besatzungsmythos zurückdrängt, kann man die moralisch schräge Aufladung der Diskussion wenigstens teilweise beseitigen.