Vortrag hinter "verschlossenen Türen". Künstliche Intelligenz wird nicht das Vertrauensproblem der Menschen lösen. Im Gegenteil, die KI wird die Menschen anlügen, weil sie das Verhalten von Menschen kopiert. Wir stehen am Beginn des größten sozialen Experiments der Menschheitsgeschichte.
Über den Autor:
Yuval Noah Harari lehrt seit 2005 an der Hebräischen Universität Jerusalem. Er trat zunächst mit Forschungen zur Militärgeschichte und universalhistorischen Thesen hervor. Im Jahr 2020 hielt er beim Weltwirtschaftsforum den Vortrag „Wie können wir das 21. Jahrhundert überleben“ über drei existenzielle Bedrohungen: Atomkriege, ein Zusammenbruch des Ökosystems und technologische Umwälzungen.
Auf das Thema 'KI' warnte Harari in einem offenen Brief mit mehr als 1000 Unterzeichnern Ende März 2023 unter Verweis auf die rasante Entwicklung und Weiterentwicklung von ChatGPT davor, dass die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) aus dem Ruder laufe. Die Verfasser forderten, dass alle KI-Entwickler, die an der nächsten Generation arbeiten, ihre Arbeit zunächst für sechs Monate einstellen sollten, andernfalls „die Staaten ein Moratorium verhängen“ müssten. Die Pause solle genutzt werden, um Sicherheitsprotokolle für hoch entwickelte KI zu erarbeiten. Diese Idee wurde zumindest teilweise auch von Elon Musk unterstützt.
Allerdings hat er auch sehr viele Kritiker. Im Zuge der digitalen Revolution und der biotechnologischen Entwicklung erwartet Harari einschneidende Veränderungen menschlicher Existenzweisen. Das Smartphone etwa werde binnen 20 bis 30 Jahren für Menschen zu einer Art zweitem Gehirn werden, das wissen werde, was wir fühlen, wollen und denken und das über unsere Alltags- und Lebensentscheidungen bestimmen werde. Aus Menschen würden, so zitiert "Der Spiegel" Harari, „hackable animals“ – Tiere, die man mit Computercode bearbeiten kann. Eine Idee, die unter anderem auch vom ehemaligen Vorsitzenden und Gründer des World Economics Forum, Klaus Schwab, gerne aufgegriffen wurde.
Seine umstrittenste Aussage gab er in einem Interview, als er über die 4. Industrielle Revolution und die damit einhergehenden "unnützen Menschen" befragt wurde. Seine Antwort auf diese Frage lautete: "Das einzige, was uns dazu einfällt, ist: "sie mit Drogen und Spielen zu beschäftigen."