G7-Protest in Genf
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«Es gab Zeiten, in denen ich wütend auf die Schweiz war.
Aber ich lebe»
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Aubonne Bridge Action
youtu.be/e-laOIR66r0?is=s045…
(8:16 Min.)
Media-activists from Argentina and Italy were on the bridge when the police cut the rope. They shot a video footage of the action and the behaviour of the police.
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Der britische Aktivist Martin Shaw stürzte bei einer Demonstration 20 Meter von einer Brücke, nachdem ein Polizist sein Seil durchschnitten hatte. 23 Jahre später geht er in der Schweiz wieder auf die Strasse – mit veränderter Weltsicht.
In Kürze:
- Martin Shaw stürzte 2003 von einer Brücke, nachdem ein Polizist das Seil durchgetrennt hatte.
- Shaw leidet bis heute an körperlichen Beeinträchtigungen durch den Sturz.
- Trotzdem engagiert sich Shaw weiterhin politisch.
- In Genf verliefen die Anti-G7-Proteste teilweise mit Ausschreitungen und Tränengaseinsatz.
Als Martin Shaw das letzte Mal in der Schweiz demonstrierte, verlor er beinahe sein Leben.
23 Jahre später sitzt der 61-jährige Brite auf einer schattigen Bank im Genfer Park Mon Repos, wo sich die Teilnehmenden an diesem Sonntagnachmittag zur Anti-G7-Demonstration versammeln, und schaut auf den See. «An Schmerzen erinnere ich mich nicht. Aber ich hatte furchtbar kalt. Das Wasser wiegte meinen Körper hin und her. Ich selber konnte mich nicht mehr bewegen.»
Kurz gerät er ins Stocken.
Über 20 Meter war er von einer Autobahnbrücke in die Tiefe gestürzt, nachdem ein Polizist das Seil durchgeschnitten hatte, an dem er hing. Shaws Schicksal wurde zum Symbol für alles, was im Umfeld der Proteste gegen den G8-Gipfel 2003 in Évian schiefging. Er selbst hat bisher selten öffentlich darüber gesprochen.
«Unser Ziel war es, mit einer Guerillaaktion zivilen Ungehorsam auszuüben», sagt Shaw. Am 1. Juni 2003 blockierte er mit einer Gruppe von Antiglobalisierungsaktivisten die Autobahnbrücke von Aubonne – kurz bevor ein Konvoi mit G8-Teilnehmern durchfuhr.
Sie spannten ein Seil über die Fahrbahn. An beiden Enden hing je ein Mensch. Einer war Martin Shaw. Seine grösste Sorge vor der Aktion: Ein Autofahrer könnte durchbrechen und ihn und seine Partnerin am anderen Seilende mitschleppen. Doch was dann passierte, überstieg auch Shaws Vorstellungskraft.
Bis heute kursiert auf Youtube ein achtminütiges Video, das dokumentiert, wie die Polizei auf der Brücke ankommt. Hektik bricht aus. Die Polizisten sind aufgebracht. Bei Minute 5:35 kappt ein Polizist aus dem Kanton Schaffhausen das Seil. Das eine Seilende kriegen die Aktivisten auf der Brücke zu fassen. Martin Shaw aber stürzt in die Tiefe – hinab in die nur knietiefe Aubonne.
Zwei Polizisten werden wegen fahrlässiger Körperverletzung angeklagt. 2006 spricht sie ein Gericht in letzter Instanz frei. Martin Shaw und seine Partnerin dagegen werden wegen Behinderung des öffentlichen Verkehrs verurteilt.
«Es gab schon Zeiten, in denen ich wütend auf die Schweiz war», sagt Shaw.
Er ist fürs Leben gezeichnet.
«Aber ich lebe»
Frakturen in den Füssen, im Becken, mehrfach gebrochener Rücken. 33 Tage verbrachte er im Universitätsspital Lausanne. Metallplatten halten bis heute Wirbelsäule und Becken zusammen. Seine Beweglichkeit bleibt eingeschränkt: Er kann nicht joggen, nicht wandern, nicht tanzen. «Aber ich lebe», sagt Shaw.
Der Polizist aus Schaffhausen hat sich bei ihm entschuldigt. «Ich glaube, es tat ihm aufrichtig leid.»
Langsam macht sich Shaw bereit für den Beginn der Demonstration. Mit ihm reist eine Filmcrew um Regisseur Daniel Wyss, der einen Dokumentarfilm über Shaw dreht. Der Protagonist sagt: «Für mich ist wichtig, dass meine Geschichte zu Ende erzählt wird und nicht mit dem Sturz aufhört.»
Martin Shaw lebt heute in einer Kommune in Barcelona, arbeitet als Bierbrauer und setzt sich immer noch stark für ökologische Anliegen ein. Er sagt: «Ich will mich weiterhin engagieren, deshalb bin ich heute hier in Genf – aber es ist komplizierter geworden.»