Wenn es eine Israelin in Köln wagt, über die Bedrohung jüdischen Lebens zu sprechen, wird sie kurzerhand ausgeladen. Was ist bloß in Köln los?
Die COMEDIA in Köln hat entschieden, eine Veranstaltung der
phil.COLOGNE mit der Autorin Mirna Funk kurzfristig nicht im eigenen Haus stattfinden zu lassen. Zur Begründung wurde erklärt, mehrere Äußerungen Funks seien pauschalisierend und diskriminierend. Als Beispiel wurde unter anderem eine frühere Aussage angeführt, in der Funk davon sprach, dass die größte Gefahr für die jüdische Community derzeit von in Deutschland lebenden Arabern, Türken und deren Sympathisanten ausgehe.
Mit großer Empörung und Fassungslosigkeit habe ich von dieser Entscheidung erfahren.
Ich halte diese Entscheidung für einen skandalösen Vorgang und für einen Akt offener Diskriminierung gegen eine Frau, die öffentlich ausspricht, was derzeit in jüdischen Gemeinden – nicht nur in Deutschland – tagtäglich erlebt wird: dass Judenhass, Bedrohung und Gewalt heute in erheblichem Maße aus einem kulturellen Milieu kommen, das islamisch geprägt ist.
Mirna Funk hat beschrieben, was sie bewegt, was sie besorgt und was sie bedroht. Dafür wird sie nun faktisch bestraft. Sie wird ausgeladen, weil sie etwas ausspricht, das der COMEDIA offenbar nicht gefällt.
Glauben die Leute, die Mirna Funk ausgeladen haben, wirklich, Mirna Funk gefalle es, sich ständig Sorgen um ihre Sicherheit machen zu müssen? Glauben sie wirklich, es sei angenehm, als Jüdin immer wieder mit offenem, mörderischem Judenhass konfrontiert zu sein? Niemand sucht sich diese Realität freiwillig aus. Aber viele jüdische Menschen erleben sie derzeit täglich.
Und nun geschieht etwas, das ich für besonders erschütternd halte: Ein Theater beschließt nicht etwa, sich schützend vor eine bedrohte Stimme der jüdischen Community zu stellen, sondern lädt diese Stimme aus, weil sie über die Bedrohung spricht.
Damit ist eine neue Grenze überschritten.
Hier geht es nicht mehr um einen „offenen Debattenraum“, von dem öffentlich gesprochen wird. Hier geht es um die aktive Herabsetzung einer jüdischen Frau, die ihre Erfahrungen und ihre Ängste artikuliert. Wer eine Israelin sanktioniert, weil sie über antisemitische Bedrohungen spricht, beteiligt sich an der gesellschaftlichen Ausgrenzung der Betroffenen.
Das ist kein Beitrag gegen Diskriminierung. Das ist Diskriminierung.
Ich bin seit über einem Vierteljahrhundert in der Kölner Theaterszene tätig. Ich habe Inszenierungen wie „Bruder Eichmann“ oder „Der Stellvertreter“ gesehen, in denen klar artikuliert wurde, dass das Christentum Verantwortung oder Mitverantwortung für die Verfolgung von Juden getragen hat. Es wurden Stücke gezeigt, in denen deutlich benannt wurde, aus welchen kulturellen und gesellschaftlichen Hintergründen der Hass auf Juden kam – ob aus dem Christentum oder aus Deutschland selbst.
Nie wäre jemand auf die Idee gekommen, diese Stücke auszuladen, weil sie kulturelle oder religiöse Ursachen von Judenhass benennen.
Wenn heute jedoch jemand ausspricht, dass auch der Islam und die arabische Kultur, in der sich der Islam ausgebreitet hat, Verantwortung tragen – vielleicht sogar derzeit die Hauptverantwortung – für die massive Bedrohung jüdischen Lebens, dann soll darüber plötzlich nicht mehr gesprochen werden dürfen.
Wer nicht hören will, was offenkundig ist, wer verhindern will, dass darüber gesprochen wird, macht sich schuldig: des Wegsehens, des Verharmlosens und letztlich auch des Ermöglichens. Denn gesellschaftliches Schweigen schützt niemals die Bedrohten, sondern immer diejenigen, die bedrohen.
Als Mitglied der Theatergemeinde in Köln empfinde ich diese Entscheidung als beschämend. Ein Theater sollte ein Ort der Freiheit, der Debatte und auch der Zumutung sein. Stattdessen demonstriert die COMEDIA, dass bestimmte Erfahrungen und bestimmte jüdische Stimmen offenbar unerwünscht sind, sobald sie nicht in ein ideologisch bequemes Weltbild passen.
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