Es ist bemerkenswert, wie viele junge Menschen heute „gegen Krieg“ demonstrieren und dabei so tun, als sei Kapitulation eine moralische Kategorie. Als könne man sich einfach ergeben, die Hände falten und dann unbehelligt sein Leben weiterführen, möglichst bei Hafermilch und moralischer Selbstzufriedenheit.
Diese Vorstellung ist nicht nur historisch falsch, sie ist gefährlich naiv.
Wer glaubt, ein imperialistisches Regime lasse besetzte Bevölkerungen einfach in Ruhe, sollte sich anschauen, was in der Ukraine passiert ist. Nach der Besatzung folgten Zwangspässe, Repression, Entrechtung, und am Ende Rekrutierung für die Armee der Besatzungsmacht. Menschen wurden an die Front geschickt, nicht trotz, sondern wegen der Kapitulation. Das ist kein Ausrutscher der Geschichte, das ist ihr Muster.
Und genau hier liegt der fundamentale Denkfehler bei Leuten wie Ole Nymoen. Wenn er argumentiert, Systeme seien letztlich austauschbar und es lohne sich nicht, für irgendein System zu kämpfen, dann offenbart das keine radikale Klarheit, sondern eine erschreckende Blindheit für Rechtsstaatlichkeit.
Denn Systeme sind nicht gleich.
In Deutschland gibt es Abwehrrechte, Gewaltenteilung, unabhängige Gerichte, Pressefreiheit, Opposition.
In einem autoritären, imperialen System wie dem russischen hast du keine Rechte vor dem Staat, sondern nur Gnade auf Widerruf.
Wer diese beiden Ordnungen gleichsetzt, argumentiert nicht pazifistisch, sondern zynisch. Denn diese Gleichsetzung funktioniert nur für Menschen, die nie erfahren mussten, was es heißt, unter einem Regime zu leben, das Loyalität erzwingt, notfalls mit der Waffe in deiner Hand und einem anderen Staat auf der Brust.
Natürlich kann man Wehrpflicht kritisieren. Man kann den Staat kritisieren. Man kann sogar Krieg kategorisch ablehnen.
Aber zu behaupten, man müsse nur nicht mitmachen, und alles werde gut, ist kein moralischer Mut, es ist politische Infantilität.
Frieden entsteht nicht durch Wegsehen.
Und Freiheit stirbt nicht zuerst im Schützengraben, sondern im Kopf, wenn man aufhört, Unterschiede zwischen Unterdrückung und Rechtsstaat überhaupt noch wahrnehmen zu wollen.
Gestern wurden junge Leute gegen Krieg und Frieden agitiert.