Jetzt mal ehrlich: Was haben eigentlich alle immer mit dem Völkerrecht? Ständig höre ich: „Das Völkerrecht muss eingehalten werden.“ Aber was soll das überhaupt sein, dieses Völkerrecht? Ich fürchte, die Mehrheit hat keine Ahnung, wovon sie redet.
Das Völkerrecht gibt es nicht, jedenfalls nicht in der Form, wie die meisten Leute glauben. Es gibt keine universelle Rechtsordnung der Völker, kein Strafgesetzbuch, kein Gesetz, das für alle Nationen und Menschen auf der Welt gilt. Alles, was als Völkerrecht bezeichnet wird, sind Verträge zwischen Staaten, historische Gepflogenheiten und politische Vereinbarungen, aus denen man mehr oder weniger willkürlich ableitet, was „akzeptabel“ ist und was nicht.
Und dann gibt es da diese berüchtigten Resolutionen der Vereinten Nationen. Sie werden zitiert, als wären sie Gesetz. Sie sind jedoch lediglich Beschlüsse von Staaten, die in einem internationalen Gremium Empfehlungen oder Vereinbarungen formulieren. Eine Resolution ist kein Gesetz. Sie ist ein moralischer Appell, ein diplomatisches Signal, mehr nicht. Sie zwingt niemanden, etwas zu tun. Und trotzdem tun viele so, als sei sie bindend. Dabei halten sich die gleichen Staaten, die sie zitieren, selbst oft nicht daran, während sie gleichzeitig massiv die Menschenrechte innerhalb ihres eigenen Einflussbereichs verletzen. Resolutionen sind Werkzeuge der Diplomatie, manchmal nützlich, oft zynisch.
Große Nationen, zum Beispiel mächtige muslimische Länder, können das Völkerrecht so biegen, wie es ihnen gefällt. Kleine Völker, wie das jüdische Volk, das historisch von vielen anderen gehasst wird, haben praktisch keine Chance, Gerechtigkeit auf dieser Ebene zu erhalten. Die Vereinten Nationen zeigen dies in einer erschreckenden Doppelmoral: Israel wird wie kein anderes Land der Welt kollektiv verurteilt, während Verstöße großer Staaten weitgehend ignoriert werden.
Völker haben keine Rechte. Menschen haben Rechte! Ein Volk ist keine juristische Person. Ein Volk besteht aus Menschen, und in jedem Volk gibt es Regierende und Regierte, herrschende Gruppen und Opposition. In vielen Völkern werden Teile der Bevölkerung unterdrückt. Das Völkerrecht aber spricht über das „Volk“, als sei es eine monolithische Einheit, und ignoriert die Rechte der Menschen innerhalb dieses Volkes. Wenn ein „Völkerrecht“ dazu führt, dass Menschenrechte mit Füßen getreten werden, nur um ein abstraktes „Recht des Volkes“ zu wahren, dann kann mir das Völkerrecht gestohlen bleiben.
Wer die Rechte von Menschen wirklich sichern will, muss bei den Verfassungen der Völker anfangen. Dort liegen die konkreten Rechte. Eine Verfassung ist der Vertrag, den die Bürger mit ihrem Staat schließen. Sie sagt: Welche Rechte hat der Einzelne, was darf der Staat tun, und was nicht. Diese Verfassungen gelten. Staaten handeln durch ihre Regierungen. Regierungen können miteinander reden, Verträge schließen, Handel treiben, und leider auch Krieg führen.
Wenn Menschen in einem unterdrückten Land um Hilfe rufen, dann steht man vor einer schwierigen Frage: Soll man intervenieren oder nicht? Natürlich ist das nicht einfach, und es gibt viele gute Gründe, sich gegen Interventionismus auszusprechen. Was aber völlig bescheuert ist, dabei immer wieder reflexhaft diesen Satz zu wiederholen: „Das geht nicht, das wäre völkerrechtswidrig.“
Wer Menschen in Not helfen will, muss sich an Menschenrechte halten! Völkerrecht ist eine mythische Konstruktion, die oft benutzt wird, um moralische Entscheidungen zu blockieren oder zu verzögern. Menschenrechte sind konkret, überprüfbar, für jeden einzelnen Menschen gültig. Das sollte der Maßstab sein. Wer heute vom Völkerrecht redet, spricht meist über ein Netzwerk von Verträgen zwischen Staaten, das ihre Interessen schützt. Gerechtigkeit hat damit nur sehr wenig zu tun. Solange wir nicht klar zwischen den Rechten der Menschen und den imaginären „Rechten der Völker“ unterscheiden, werden wir weiter über etwas reden, das in der Realität schlichtweg nicht existiert.