Ladesäulen sind keine Parkplätze. Punkt.
Eben hatte ich ein Erlebnis, das mich echt fassungslos gemacht hat. Ich kam mit nur 3 % Akku am Rasthof Lorsch an. Kein Problem eigentlich, da laut mobility App beide Anschlüsse des 300 kW Laders nicht belegt waren.
Ich rollte also an die Station heran. Auf der linken Seite ein ID.7, der wohl etwas schneller war als ich und brav Strom nuckelte. Aber was stand da auf der rechten Seite? Ein grauer Golf Variant mit Wiesbadener Kennzeichen. Verbrenner, kein Kabel dran, nix. Einfach geparkt.
Na toll, dachte ich mir. Der ID.7 Fahrer hatte ebenfalls einen ziemlich leeren Akku und meinte, er könne nicht direkt Platz machen. Alles ok, ich ging also rüber zum 50 kW Triple Charger. Außer Betrieb. Gut, dann bleibt wohl nur warten.
Ich wartete geschlagene 20 Minuten. Dann kamen ein Mann und eine Frau gemütlich bummelnd zurück. Und statt einer Entschuldigung kam nur: „Wollen Sie hier laden?“
Ich: „Ja. Das ist ja ein Ladeplatz und kein Parkplatz.“ Ich habe das nicht pampig gesagt, sondern komplett neutral und irgendwie auch entgeistert, dass keine Entschuldigung und stattdessen so eine blöde Frage kam. Diese Leute hatten also genau gesehen, dass sie eine HPC-Station blockieren.
Der Mann guckte mich nur patzig an und sagte nichts. Die Frau meinte bissig, es sei halt nichts anderes frei gewesen und sie mussten dringend aufs Klo. „Wir können uns ja wohl schlecht in die Hose machen.“
Ich glaube, ich habe ziemlich fassungslos dreingeschaut. Ich hatte 3 % Akku.
Ich stand 20 Minuten da und konnte nicht laden. Und ja, es hätte Alternativen zum Parken gegeben. Zum Beispiel kurz bei den LKWs in zweiter Reihe halten, wie es diverse andere Verbrennerfahrer getan hatten, um ihr Geschäft zu verrichten.
Was es nicht gab: Einsicht. Reue. Oder auch nur ein „Sorry“.
Ich fahre seit sechs Jahren elektrisch und erwartungsgemäß begegnen mir ständig Ladesäulenblockierer. Viele sind einfach so abwesend und kapieren gar nicht, dass sie eine Ladesäule besetzt haben. Dann kommen zehn schnell aufeinander gestammelte Entschuldigungen und der Platz wird schnell freigemacht. Alles gut. Aber dieses Verhalten? Als ich zu der Dame sagte, dass ich ja auch nicht einfach Zapfsäulen blockiere, um aufs Klo zu gehen, erwiderte sie motzig: „Mit solchen Leuten wie Ihnen rede ich nicht.“ Sie stieg ins Auto und knallte die Tür zu. Und da ist bei mir der Geduldsfaden gerissen.
Ich habe eben Anzeige erstattet. Und das war das erste Mal in sechs Jahren, dass ich so etwas gemacht habe. Obwohl ich schon oft blockierte Säulen erlebt habe - aber heute war das Maß voll. Noch nie wurde ich so behandelt.
Wir können noch so viel über Ladeinfrastruktur reden. Wenn sie nicht respektiert wird, bringt die beste Technik nichts. Ladesäulen sind keine Parkplätze. Sie sind genauso zu respektieren wie Behindertenparkplätze. Und wenn man wirklich mal ausnahmsweise falsch steht, dann hilft vielleicht einfach ein ehrliches „Tut mir leid“. In solchen Fällen würde ich NIEMALS die Behörde einschalten.
Aber weil diese Leute ganz offenbar nichts aus der Situation gelernt haben und beim nächsten Mal wieder eine Säule blockieren werden, statt zwei Minuten auf einen freien Parkplatz zu warten, werde ich jetzt dafür sorgen, dass die zuständige Polizei diese Individuen ausfindig macht. Anders lernen die es halt einfach nicht.