Früher wurden Menschen in die Klassen Adel, Klerus und Bauern eingeteilt. Heute sortiert man sie nach Hautfarbe, Geschlecht, Orientierung und Körpermerkmalen. Die Logik dahinter ist dieselbe: Nicht das Individuum steht im Mittelpunkt, sondern kollektivistische Gruppen, denen es zugerechnet wird.
Das dargestellte „Rad der Macht und der Privilegien“ kann als Schablone für diese Rückkehr zur ständischen Denkweise verstanden werden. Es ordnet Menschen primär nach Merkmalen, die sie größtenteils nicht selbst gewählt haben, und mischt darunter teilweise veränderbare Faktoren wie Bildung oder Einkommen. Das Ergebnis ist ein deterministisches Raster: Wer in die vorgeblich richtigen Kategorien fällt, gilt pauschal als privilegiert; wer in die falschen fällt, als marginalisiert. Individuelle Leistung, Charakter, Intelligenz, Anstrengung oder Schicksalsschläge treten gegenüber diesen bürokratischen Zuschreibungen in den Hintergrund.
Diese Arbeitsgrundlage reduziert komplexe Lebenswege auf eine simplistische Opferolympiade.
Wer dem Argumente entgegensetzt, gilt nicht als Kritiker mit abweichender Erfahrung, sondern als Beweis für die eigene Privilegienblindheit. Das System immunisiert sich damit selbst: Jeder sachliche Einwand wird dogmatisch zum Symptom des Problems erklärt.
Solche Konzepte dienen nicht der Erkenntnis, sondern der Etablierung von Macht. Gerade Diversity- und Gleichstellungsapparate haben ein vitales Interesse daran, Unterschiede nicht abzubauen, sondern sie dauerhaft zu dokumentieren, zu verwalten und zu dramatisieren. Zwar lautet das erklärte Ziel Gleichbehandlung, tatsächlich jedoch werden Menschen jetzt wieder nach Identitätsmerkmalen tribalisiert, was im Gegenzug mit gut dotierten Posten und Fördermitteln belohnt wird.
Die gesellschaftliche Wirklichkeit widerspricht diesem Drama längst. Alternative Orientierungen werden bei weit über 85 Prozent der Bevölkerung längst akzeptiert. Die rechtliche Gleichstellung ist in westlichen Ländern weitgehend erreicht.
Gerade deshalb wirkt das Rad wie aus der Zeit gefallen. Es konserviert und betont genau jene Unterschiede, die in einer freien Gesellschaft an Bedeutung verlieren sollten.
Anstatt Merkmale für die Bewertung eines Menschen irrelevant werden zu lassen, werden sie hervorgehoben, paternalistisch bewirtschaftet und regenbogenbeflaggt.
Die Aufklärung wollte die Menschen von den Kategorien ihrer Geburt befreien. Sie forderte, dass Charakter, Leistung, Verantwortung und individuelle Freiheit entscheidend sein sollten. Das Rad kehrt diese Errungenschaft um. Es etabliert eine neue ständische Ordnung, diesmal mit umgekehrten Vorzeichen und vermeintlich wissenschaftlichem Anstrich.
Wer dieses Denken übernimmt, kann Diskriminierung als Anti-Diskriminierung verkaufen, sei es durch Quoten, Sprach-„Empfehlungen“ oder Diversity-Trainings zur „Sensibilisierung“.
Eine freie Gesellschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie die Unterschiede eines Individuums irrelevant macht.
Das Versprechen der Aufklärung war nicht die permanente Kategorisierung von Besonderheiten, sondern ihre Überwindung.