„Blackbox" ist genau das Missverständnis. Ein Preis ist keine Schatulle, die eine Behörde aufklappen und prüfen könnte – er ist das Ergebnis von Millionen dezentraler Entscheidungen über Knappheit, Kosten, Erwartungen und Vorlieben. Hayek hat das vor 80 Jahren beschrieben: Der Preis ist die Zusammenfassung von Wissen, das kein einzelner Kopf und keine Behörde je einsammeln kann. „Reinschauen wollen" ist nicht Aufklärung, sondern der Planer-Irrtum – der Glaube, man könne zentral nachrechnen, was der Markt verteilt gerade erst errechnet.
Und die 35 % seit 2020? Die eigentliche Blackbox steht nicht im Supermarkt, sondern in der EZB-Bilanz. Seit 2020 wurde die Geldmenge massiv ausgeweitet, dazu Energiepreis- und Lieferkettenschocks. Mehr Geld trifft auf knappere Güter – das Preisniveau steigt. Wer den Einzelhandel anklagt, behandelt das Thermometer, nicht das Fieber.
Die unausgesprochene These – „Gierflation" – zerbricht an zwei Fakten. Erstens sind Lebensmitteleinzelhändler eine der margenschwächsten Branchen überhaupt (Aldi, Lidl, Edeka: 1–3 % Nettomarge). Kein Sektor, der abkassiert, sondern Hyperwettbewerb. Zweitens ist Gier eine Konstante, kein Schalter: Die Konzerne wollten 2019 bei 1,5 % Inflation genauso viel Gewinn wie 2022. Geändert hat sich nicht die Gier, sondern die Geldmenge.
Wer Verbrauchern wirklich helfen will, dreht an den richtigen Hebeln: solides Geld statt Notenpresse – und Abbau der staatlichen Kostentreiber im Preis (Energiesteuern, CO₂-Preis, Mehrwertsteuer, Agrarbürokratie). Ein erheblicher Teil des Preises ist Politik. Eine neue Preis-Transparenzbürokratie ändert daran nichts – sie erhöht nur die Compliance-Kosten, zementiert die Großen und endet, wenn sie ernst macht, im einzig verlässlichen Ergebnis von Preiskontrollen: leeren Regalen.