Ich freue mich ja über die Zustimmung vieler SPDler über Maschmeyers Post.
Aber warum seid ihr dann die Partei deren singuläres Programmelement Steuererhöhungen sind?
Natürlich bleibt Linders Vorschlag in dem Sinne problematisch dass eine Verengung auf Überstunden Fehlanreize setzen kann und Teilzeitler benachteiligt.
Er hat aber auch ein wahres Element, wenn man ihn mal auf Boni usw. erweitert: Denn jeder der sich extra einsetzt, wozu ich mich ja auch gern mal zähle, wird so mit dem Abgabenhammer getroffen, dass es nur eine einzige Demotivation ist. Wenn einem von einer Patentvergütung gerade mal 50% bleiben, warum soll man da dann noch seine Freizeit reinstecken?
Mit jedem Performancebonus ist es das gleiche. Es kommt mit Glück noch die Hälfte an auf dem Lohnzettel, und wenn man dann noch alle nachgelagerten Steuern anguckt sind schnell 65-70% weg.
Wenn ich das was über bleibt anlege, darf ich selbst nach Jahren auf Gewinne noch 27% extra blechen.
Das Kernproblem ist: Der normale Mittelstand (z.B. me, 34, normaler Ingenieur, keine Personalverantwortung) zahlt Spitzensteuersatz und Reichensoli, sowie Maximalsätze in allen Sozialversicherungen. Das einzige was ich nicht zahlen muss ist der 250k Extrasteuersatz.
Ich sollte normalerweise ohne Nebenaktivitäten und intensive Anlegerei, wie ich sie betreiben muss, z.B. mir locker eine Wohnimmobilie leisten können ohne mich den Rest meines Lebens zu verschulden. Derzeit absolut unmöglich. Geht mathematisch nicht auf.
Wir haben das Problem, dass die Abgaben in DE mittlerweile im wahrsten Sinne des Wortes asoziale Höhen erreicht haben. Asozial, weil sie den sozialen Zusammenhalt gefährden. Es erodiert den Drang Schwächeren helfen zu wollen, es erodiert selbst für die viel Leistenden die eigene wirtschaftliche Sicherheit. Und es erodiert letztendlich die politische Landschaft und schafft Aufstiegschancen für extreme.
Nein, die Arbeitnehmer in Deutschland sind nicht zu faul.
Die Vorschläge, wie man Arbeiten wieder attraktiver macht, finde ich zunehmend absurd. Vor allem, dass Überstunden steuerfrei sein sollen.
Statt Überstunden steuerfrei zu stellen, sollten vielmehr die „normalen“ Arbeitsstunden steuerlich entlastet werden.
Überstunden attraktiver zu machen, impliziert, dass in Deutschland aus Faulheit wenig gearbeitet würde. Das stimmt einfach nicht.
Viele, vor allem immer noch Frauen, werden in Teilzeitverhältnisse gezwungen, weil die Kinderbetreuung nicht ganztags verfügbar ist. Oder oft müssen auch Angehörige gepflegt werden.
Zudem: Gehaltserhöhungen, die mit Fleiß und Einsatz erarbeitet werden, machen sich netto kaum bemerkbar. Das bremst die Motivation.
Meine Meinung: Die aktuelle Diskussion sendet ein falsches Signal. Die Überstunde sollte nicht zur Regel werden, denn dann ist in der Personalplanung etwas gehörig schief gelaufen. Die Gleichung mehr Arbeitszeit = mehr Produktivität stimmt einfach nicht.
Was ist eure Meinung zur Diskussion über steuerfreie Überstunden?
#work #deutschland #zukunft