Eine der größten Beratungsfirmen der Welt wird gerade von KI disruptiert und anstatt in die Verteidigung zu gehen investieren sie massiv in die eigene Disruption. Die Rede ist von Accenture. Sie bauen gerade ihr hochprofitables Geschäftsmodell im laufenden Betrieb um, damit sie nicht selber der KI zum Opfer fallen.
Bisher sah das Geschäftsmodell von Accenture wie folgt aus: Ein Unternehmen leidet zum Beispiel an einem Effizienzproblem in der Buchhaltung und engagiert Accenture als externes Beratungsunternehmen. Accenture entsendet dann ein Team ehrgeiziger Berater und diese nisten sich wochenlang im Unternehmen ein, analysieren Prozesse und präsentieren am Ende die Ergebnisse und eine große Rechnung mit den abgerechneten Arbeitsstunden.
Es wird Zeit gegen Geld getauscht. Accenture ist dabei ein absoluter Gigant mit ca. 780.000 Mitarbeitern.
Was passiert jetzt aber, wenn exakt diese Beratung plötzlich eine Software anbietet, die das Problem innerhalb von Stunden löst, anstatt von Wochen? Accenture schreibt im eigenen Risikobericht darüber, dass die KI voraussichtlich klassische Dienstleistungen und Aufgaben ersetzen wird, die bisher von Accenture-Beratern durchgeführt wurden.
Der Schlüsselbegriff ist hier die agentische KI. Das sind autonome Systeme, die eigenständig Entscheidungen treffen und komplette Workflows ausführen.
Um solche neuen Systeme für globale Konzerne zu bauen, benötigt man ein tiefes Verständnis der Technologie und den spezifischen Geschäftsprozessen der Kunden. Das erfordert völlig andere Fähigkeiten, als klassische Excel-Auswertungen oder Powerpoint-Präsentationen.
Im Jahr 2025 wurden deshalb über 550.000 Mitarbeiter in den Grundlagen der generativen KI geschult und zertifiziert. Bis Ende 2026 wollte man 80.000 Daten- und KI-Experten aufbauen und bereits im zweiten Quartal 2026 wurde das Ziel mit über 85.000 Experten übertroffen.
Zeitgleich führt man einen extra Abschnitt in der Bilanz unter dem Namen “Business Optimization". Dahinter verbergen sich massive Entlassungen von Mitarbeitern, deren Fähigkeiten aufgrund der technologischen Lücke nicht mehr umgeschult werden können.
Die neue Währung bei Accenture nennt sich “Non-FTE Revenue”. Das steht für Einnahmen, die nicht mehr an menschliche Arbeitsstunden gebunden sind.
Statt wie bisher 20 Juniorberater für ein halbes Jahr händisch Kundendaten migrieren zu lassen, entwickelt Accenture nun maßgeschneiderte KI-Agenten, die diese Aufgaben in einer Woche erledigen. Verkauft wird nicht mehr die Arbeitszeit, sondern die Software-Lizenz.
Der Wandel erklärt auch die Übernahme der britischen KI-Firma Faculty. Deren CEO, Marc Werner, wurde daraufhin direkt zum Global Chief Technology Officer von Accenture ernannt. Faculty war vorher ebenso eine Beratungsfirma und hat den Wechsel zum Non-FTE Revenue bereits im Kleinen vollzogen. Nun soll Werner das Gleiche im Großen bei Accenture vollziehen.
Warum braucht man Accenture in der Zukunft noch, wenn die großen KI-Modelle immer besser werden?
Die großen KI-Anbieter bauen die Intelligenz, aber diese ist nur so sinnvoll, wie sie die historisch gewachsenen Prozesse der Unternehmen im Detail versteht. Über 60% des Gesamtumsatzes von Accenture stammt mittlerweile aus direkten Partnerschaften mit Microsoft, Alphabet, Amazon, SAP, Oracle, Salesforce, usw. Accenture ist im Kern einer der größten Technologie-Integratoren der Welt. Sie hängen sich an die großen Tech-Unternehmen und bauen eine Brücke zwischen der Technologie und dem realen Chaos in den traditionellen Unternehmen.
Ein Vorzeigebeispiel liefert der Energiekonzern Repsol: In Zusammenarbeit mit Accenture hat Repsol 22 KI-Agenten im produktiven Einsatz. Ein Agent analysiert beispielsweise in Echtzeit globale Lieferketten, schlägt bei Verzögerungen Alarm, berechnet finanzielle Auswirkungen auf die Raffinerien und schlägt dem Management proaktiv Handlungsoptionen vor. Geplant ist ein Ausbau auf 90 Agenten. Solche maßgeschneiderten Systeme bekommt man bei Microsoft nicht als Standardsoftware.
Kurzfristig ist Accenture wohl eher ein KI-Gewinner, weil sie die kollektive Panik rund um KI in den Führungsetagen monetarisieren. Kein CEO kann es sich wirklich leisten, keine KI-Strategie zu haben. Entsprechend füllen sich auch momentan die Auftragsbücher.
Langfristig betrachtet finanziert Accenture gerade seine eigene Disruption und führt eine offene Herzoperation am eigenen Geschäftsmodell bei vollem Betrieb durch. Sie müssen ihr bisheriges Geschäftsmodell so schnell wie möglich durch Software ersetzen, bevor es die Konkurrenz tut. Bisher zweifelt die Börse die Entwicklung sehr stark an.
Momentan wird einfach alles an der Börse zerlegt, was mit Software zu tun hat. Selbst Unternehmen, deren Hauptgeschäft es ist andere Unternehmen zu beraten und die KI erfolgreich einzuführen.
Die Rede ist von Accenture. Ein Beratungsunternehmen, dass Firmen beim technologischen Wandel berät. Sie helfen dabei neue Systeme, wie zum Beispiel SAP, zu implementieren, auf die Cloud zu wechseln und generell die Industrie zu digitalisieren.
Teilweise übernehmen sie sogar ganze Geschäftsprozesse komplett selber für seine Kunden, wie z.B. Buchhaltung oder IT-Support und helfen beim outsourcen.
Am schnellsten wachsend ist aber das Segment um die Einführung der KI in Großunternehmen. Wenn ein Großkonzern KI-Lösungen in seine Prozesse integrieren möchte, kauft er zwar die Technologie dieser Partnerunternehmen, benötigt aber die Dienstleistung von Accenture, um diese komplexen Systeme an die eigenen Firmenstrukturen anzupassen, Daten sicher aufzubereiten und die Software für die Mitarbeiter nutzbar zu machen.
Das Segment wächst so rasend schnell, dass man im aktuellen Geschäftsjahr 2026 die Bookings darin verdoppeln möchte von ca. 6 Milliarden Dollar auf 12 Milliarden Dollar. Die Gesamtbookings von Accenture lagen 2025 bei circa 80 Milliarden Dollar.
Das Geschäftsmodell liegt also vollkommen in den aktuellen Trends und der Kurs ist trotzdem vom letzten Peak im Februar 2025 bis heute um 55% eingebrochen.
Entsprechend liegt das KGV gerade bei 14. Im historischen Durchschnitt lag das KGV bei circa 24.
Die aktuelle Einstiegsdividendenrendite liegt dadurch bei 3,6%. Historisch lag sie meist bei circa. 1,5%.
In den letzten 5 Jahren wurde die Dividende durchschnittlich um 14% jedes Jahr angehoben und beschleunigt eigene Aktien zurückgekauft.
Jetzt aber meine Kernfrage an euch: Was übersehe ich? Klingt ja erstmal alles sehr gut aber der Markt prügelt weiter auf Accenture ein.