TeleZüri berichtet gestern über die Pressekonferenz zum Unispital-Bericht: Bis zu 74 unnötige Todesfälle in der Herzchirurgie zwischen 2016 und 2020.
(Quelle in der ersten Antwort verlinkt 🔗)
Natalie Rikli, zuständige Gesundheitsdirektorin, wurde im Beitrag kaum erwähnt – obwohl die Timeline eine andere Sprache spricht.
17. April 2020: Leitender Herzchirurg André Plass schreibt ihr einen direkten Brief. Er warnt vor 17 dokumentierten Fällen mit gelösten Cardioband-Implantaten, experimentellen Eingriffen und Verdacht auf Eigenbereicherung unter Klinikchef Francesco Maisano. Er fordert sofortigen Schutz der Patienten. Die Gesundheitsdirektion leitet den Brief ans USZ weiter – und danach passiert laut Plass monatelang nichts Konkretes. Plass wird entlassen, er sei kein Teamplayer 🙄.
Ab 2021 hat Rikli laut Inside Paradeplatz ein «vollumfängliches Maisano-Dossier» auf dem Tisch. Statt einer unabhängigen Untersuchung wird die Anwaltskanzlei Walder Wyss beauftragt – mit einem Bericht, der heikle Punkte wie Maisanos Millionengewinn beim Verkauf von Valtech ausklammert. Inside Paradeplatz nennt das: «volles Dossier – Antwort: volle Deckung.»
Erst 2024 wird eine wirklich unabhängige Taskforce eingesetzt – vier Jahre nach Plass’ Brief. Auslöser: Paul Vogt macht vor Gericht eine statistische Analyse mit rund 150 auffälligen Todesfällen öffentlich.
Rikli klagt daraufhin gegen Lukas Hässig von Inside Paradeplatz, der früh über die Verschleppung berichtet hatte.
Juli 2025, gerichtliche Einigung: Hässig veröffentlicht eine Klarstellung – sie bestreitet darin nur, eine konkrete Liste mit 150 Namen erhalten zu haben. Nicht bestritten wird, dass sie früh und konkret gewarnt wurde.
Die «Massnahmen vor 2021» bleiben in der Klarstellung vage – ohne Daten, ohne Details.
Rikli übernimmt die Gerichtskosten «aus Kulanz» und verzichtet auf die 10’000 Franken Genugtuung – zugunsten von Reporter ohne Grenzen. Eine Geste, die fast zynisch wirkt, wenn man die Geschichte kennt.
André Plass wurde nach seiner Meldung entlassen und jahrelang angegriffen.
Paul Vogt, der später aufräumen sollte, sah sich mit Strafanzeigen konfrontiert.
Lukas Hässig wurde verklagt, weil er früh berichtete.
Die Weltwoche hat das Thema über längere Zeit zurückhaltend behandelt und Plass’ Warnungen damals anders gewichtet. Der aktuelle Bericht zeigt: Er hatte recht.
Zitat Weltwoche:
«Der ‘Whistleblower’ der Tamedia-Blätter, Herzchirurg André Plass, wiederholte also lediglich die schon früher geäusserten Vorwürfe von Frank Ruschitzka gegen Francesco Maisano.»
Plass hat nicht nur wiederholt, sondern konkretisiert und eskaliert. Er brachte eine Liste mit realen, kritischen Fällen auf den Tisch – das war der eigentliche Auslöser für die öffentliche Affäre 2020.
Der aktuelle Unispital-Bericht 2026 bestätigt weitgehend genau die Punkte, die Plass damals gemeldet hat (Übersterblichkeit, unangemessener Einsatz von Devices wie Cardioband, ungenügende Aufsicht).
Ruschitzka hat zwar den Stein ins Rollen gebracht, blieb aber selbst weitgehend im Hintergrund. Plass wurde der öffentliche «Whistleblower» – und dafür entlassen.