Die meisten Menschen glauben, die größte Gefahr für eine Gesellschaft seien korrupte Politiker, machtgierige Eliten oder autoritäre Herrscher.
Ich sehe das anders.
Denn keine Regierung, kein Politiker und keine Partei kann dauerhaft tun, was sie will, wenn die Bevölkerung kritisch denkt, Fragen stellt und Grenzen zieht.
Wirklich gefährlich wird es erst dann, wenn Millionen Menschen aufhören, selbst zu denken.
Wenn sie Regeln befolgen, ohne sie zu hinterfragen.
Wenn sie Narrative übernehmen, ohne sie zu prüfen.
Wenn Gehorsam wichtiger wird als das eigene Urteilsvermögen.
Denn dann können die Mächtigen nahezu alles durchsetzen.
Genau deshalb bin ich mittlerweile oft kritischer gegenüber Deutschland als gegenüber vielen Ländern, die im Westen gerne belächelt werden.
Nicht weil dort alles perfekt wäre.
Sondern weil ich dort häufiger Menschen treffe, die Autoritäten skeptisch hinterfragen, Eigenverantwortung übernehmen und sich nicht bei jedem neuen Narrativ sofort in Reih und Glied aufstellen.
In Deutschland hingegen habe ich oft das Gefühl, dass viele lieber gehorchen als hinterfragen.
Lieber mitlaufen als anecken.
Lieber Zustimmung suchen als die Wahrheit.
Natürlich gibt es Ausnahmen - gerade in Ostdeutschland und bei vielen Menschen, die die letzten Jahre kritisch begleitet haben.
Aber insgesamt wirkt es auf mich, als wäre genau das eingetreten, wovor Hannah Arendt gewarnt hat.
Ihre These war nicht, dass die größten Verbrechen der Geschichte zwangsläufig von Monstern begangen werden.
Sondern dass sie oft erst möglich werden, weil gewöhnliche Menschen aufhören, selbstständig zu urteilen, Verantwortung abgeben und einfach mitlaufen.
Nicht die Macht der Herrschenden ist das eigentliche Problem.
Sondern die Gedankenlosigkeit der Beherrschten.