Ich hoffe ja nicht,
@KaiserBenKaiser, dass die Denkvermögensforscher bereits ihrerseits mit zu viel KI-Nutzung sozialisiert wurden .. 😂 .. ihr Forschungsfeld bzw. -ergebnis klingt mir jedenfalls doch leicht dubios. Zum Denkvermögen der Jüngeren: Ich sehe nicht, dass KI überhaupt noch einen Schaden anrichten kann, den drei Stunden täglich Fernsehen plus drei Stunden Social Media plus Harry-Potter-Buch Nr. 148 mit 87.537 Seiten nicht schon längst allen deutschen Kindern seit Jahrzehnten angetan haben.
But anyways: Auch ich gehöre zur allerersten Studentengeneration mit Computer und Dot-Matrix-Drucker, Wordprocessor mit Rechtschreibprüfung, Thesaurus, Formatvorlagen! Und einer Tabellenkalkulation. Damals kam auch von der Vorgeneration das ganze Kulturuntergangsballett: Copy & Paste! Denkfaulheit! Das Geheule hörte erst auf, als sie es dann endlich selbst gelernt hatte: erst Apfel-C, dann Apfel-V drücken. Gib Pfötchen. Brav. Auch ich musste noch mühsam durch die halbe Stadt in die Bibliothek tigern - nur um dort festzustellen, dass das Buch leider verschwunden war, der vorige Rückgabetermin zum x-ten Mal nicht eingehalten wurde oder das Buch auf geheimnisvolle Weise in die Sektion für Vorderorientalische Marxismusstudien geraten war und dort Monate später erst entdeckt wurde. Und wenn das Buch dann da war: schnell Fotokopien ziehen, weil man im verleihbaren Zeitfenster ohnehin nur die Hälfte des Stoffes schaffte. Aber nur, wenn der Fotokopierer auch die verlangten Münzen geschluckt hat. Das Allermeiste davon war also keine geistige Ertüchtigung, sondern einfach nur elende Zeitverschwendung. Hervorragend nur zum Prokrastinieren, also hilfreich nur beim Aufschieben des eigentlich Anstrengenden: Denken. Und gerade weil es damals so hirnerweichend mühsam war, alles per Fuß und Finger zu erfassen, sind auch Arbeiten durchgekommen, die vor allem einfach nur vollständig und sauber dokumentiert waren - und das Inhaltliche zumindest relativiert wurde.
Ich verstehe den Punkt, dass man Denken lernt, wenn man einen akademischen Text von der Pike auf selbst entwickelt. Aber was heißt „von der Pike auf“? Auch du „stehst auf den Schultern von Riesen“, wie der gemeine Angelsachse sagt. Auch in deinem Kopf liegen von anderen entwickelte Thesen vor, die du memoriert hast - und mit denen du dann jonglierst. Mit Computer und KI kann man andere Fakten nur schneller ins Gehirn und zurück rufen. Das Prinzip bleibt gleich. Das Denken wird nicht ersetzt, sondern tatsächlich erleichtert. Es kann sein, wie
@JhonUnreal im Thread schreibt, dass die breite Masse sich teilweise verführen lässt und auch das Schlussfolgern der KI überlässt. Das wird man zum Teil vielleicht sogar durchgehen lassen, weil die Grenze zwischen Assistenz und Denkhoheit eine Grauzone ist. Aber natürlich würde der sehr einheitliche KI-Slop schnell auffallen, wenn das zu viele machen. Vor allem aber wird noch stärker auffallen, wer das Tool benutzt, um selbst ablenkungsfreier denken zu können. Die werden herausstechen, wie
@AntiDemokrat_ es andeutet. Noch viel mehr als früher. Oder?