Der Polytropos-Diskurs ist zwar schon beendet, ich wollte aber nur nochmal darauf hinweisen, was sich die Leute, die Wilsons Neuerung, was eine drastische Divergenz von der Forschungsmeinung ist, hätten machen müssen.
Sie hätten nicht den LSJ bemühen dürfen, sondern im Wörterbuch für Homer schlechthin, dem Lexikon des frühgriechischen Epos, nachschauen müssen, wie es das diskutiert, bevor sie ihr seichtes Geschwafel ablassen.
Diesen Artikel anzuführen wäre das mindeste, was man in der Wissenschaft "Referat der bisherigen Forschungsmeinung" nennt und in Qualifikationsarbeiten von Bachelorarbeit bis Habilitation erwartet wird.
Wenn meine Studenten mir mit dem LSJ kommen und damit dann filigran Homer erklären versuchen zu wollen, dann haben sie für Homer das falsche Mittel benutzt.
Ich erlaube mir mal, den GEMSAMTEN Lexikon-Artikel für das Lemma πολύτροπος zu kopieren.
Also cf. LfGrE 3, 1432f.
Cuypers vertritt in 1433, 16–34 übrigens selber die modernistische Auffassung, die schon bei Eustath eine feige Harmonisierung ist. Aber um sich das kritische Urteil erlauben zu dürfen, muss man eben viel Homer und viele Homerinterpretation der letzten 2700 Jahre, die in diesen Artikel kulminieren, gelesen haben. Da reicht es nicht, ne Minute im LSJ zu wühlen und sich dann einen Tweet-Thread mit 10 Einträgen aus den Fingern zu saugen.
Wenn man die Frage also nach 2700 Jahren nicht klären konnte und jeder, der sich wissenschaftlich dazu äußern muss, feige Kompromisse vorschlägt, damit man ihm nichts vorwerfen kann, dann sollte man vielleicht nicht so steil behaupten, dass 'complicated' entweder Forschungsmeinung ist, oder eine richtige neue Alternative.
Nein, man sollte dann so ehrlich sein, dass es eine modernistische und politische Entscheidung ist, wie es die Übersetzerin ja selbst andeutet. Einfach ehrlich sein. Es ist eine Nachdichtung und sie wollte nicht πολύτροπος übersetzen, sondern hat dieses schwierige Wort als übersetzerische Lizenz gebraucht, Odysseus so zu zeichnen, wie sie ihn gerne zeichnen will.