Zum Thema: Weshalb passives Investieren in breite ETFs nicht nur theoretisch fundiert ist sondern auch die Preisbildung nicht nachhaltig zerstört.
Einen „rein passiver“ Markt wird es nie geben, weil das System sich selbst korrigiert. Sobald passive Ströme die Preisfindung merklich verzerren würden, entstünden für aktive Investoren (vor allem institutionelle) genau die Fehlbewertungen, die sie ausnutzen können. Ungleichgewichte schaffen Anreize und ziehen Kapital an, das sie wieder ausgleicht.
Für eine effiziente Preisfindung braucht es auch deutlich weniger aktive Marktteilnehmer, als viele denken. Die Preise werden nicht durch die Masse der Halter bestimmt, sondern durch die marginalen Käufer und Verkäufer, die tatsächlich handeln. Passive Investoren (ETFs, Indexfonds) traden ja nur bei Zu- und Abflüssen oder Rebalancierungen, der eigentliche Preisfindungsprozess bleibt den aktiven Akteuren überlassen.
Aktien sind reales Eigentum. Institutionelle Investoren (Pensionskassen, Hedgefonds, Family Offices etc.) haben deshalb immer einen starken Anreiz, fundamentale Analyse zu betreiben. Sie sitzen nicht nur auf einem Index-Anteil, sondern auf tatsächlichen Unternehmensanteilen mit Stimmrechten, Bilanzrisiken und langfristigen Verpflichtungen. Selbst wenn der passive Anteil am verwalteten Vermögen hoch ist (aktuell bei großen US-Indizes deutlich über 40 %), bleibt der Handel und damit die Preisbildung aktiv dominiert. Aber richtig: Passive Strategien sind letztlich auf die Preisfindung durch aktive Teilnehmer angewiesen. Ohne sie funktioniert das ganze Modell nicht.
Neuere Analysen zeigen zwar, dass die Flows in ETFs und Indexprodukte durchaus Nebenwirkungen haben können und eventuell temporäre Verzerrungen entstehen, die nichts mit Unternehmensgewinnen zu tun haben, das sind aber meist kurz- bis mittelfristige mechanische Effekte, keine dauerhafte Zerstörung der Preisfindung. Der Markt hat bisher immer wieder aktive Kapitalströme angezogen, sobald die Abweichungen attraktiv genug wurden.
Was sich auch nie ändern wird: Die menschliche Psychologie. Sobald wir mal wieder einen richtigen Crash haben werden viele Anleger leider wieder aus den Märkten flüchten. Das sind ganz normale Zyklen, die man an den Märkten schon seit Ewigkeiten bestaunen kann.