Probleme der repräsentativen Demokratie: Diagonalisierung als Ausweg
Die Probleme einer modernen Gesellschaft sind schlichtweg zu diffizil, die Antworten zu folgenreich, ihre Aushandlung zu konfliktbehaftet, als dass man auf Zentrierungen von Verantwortung verzichten könne. Insofern vermittelt die repräsentative Demokratie zwischen Partizipation und Prosperität, wobei sie den allgemeinen Willen durch ein gewähltes Spezialistentum zu verfeinern sucht. Ohne solche vertikalen Elemente lässt sich nicht die epistemische Leistungsfähigkeit entwickeln, die ein rationales Problemmanagement erfordert. Gerade die Kakistokratie der linken Szene lehrt uns doch, dass repräsentative Strukturen und deren Professionalisierung unbedingt nötig sind, wenn eine Integration breiter Kreise gelingen und größere Zusammenhänge überhaupt funktionieren sollen.
Freilich bringt dies natürlich Probleme der Machtreproduktion mit sich, die als Innovationsbremsen wirken. Zwar gibt es, wie antike Demokratien zeigen, im Feintuning des Repräsentationssystems noch Potentiale der Innovation. Doch grundsätzlich sind jene Probleme weder durch eine Horizontalisierung der Demokratie (also ihre antiautoritäre Aufhebung) noch durch eine Vertikalisierung (also ihre autoritäre Aufhebung) zu beheben. Einen Ausweg aus diesem Dilemma bietet die sozialrepublikanische Perspektive. Denn mit dem Aufbau von multiplen Repräsentationssystemen im Sozialen steht sie für eine Diagonalisierung von Demokratie.
{Marcks & Zimmermann, Zurück nach vorn. Ein sozialrepublikanisches Panorama, Bd. 1, Abs. IX.IV}